Iran lädt Snowden ein – um ihn auszuhorchen

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Gefragter InformantIran lädt Snowden ein – um ihn auszuhorchen

Kaum hat Edward Snowden Reisepapiere in Aussicht, winkt schon die erste Auslandreise: Eine Einladung nach Iran, um dort über die US-Spionage gegen die Islamische Republik zu berichten.

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Die «Heat Map» aus dem NSA-Tool «Boundless Informant» zeigt, dass die USA im Iran besonders viele Informationen sammeln: Im März 2013 total 14 Milliarden Berichte. (Bild: NSA)

Die «Heat Map» aus dem NSA-Tool «Boundless Informant» zeigt, dass die USA im Iran besonders viele Informationen sammeln: Im März 2013 total 14 Milliarden Berichte. (Bild: NSA)

Edward Snowdens Anwalt Anatoli Kutscherena sagte am Mittwoch vor den Medien, sein Mandant werde demnächst Einreisepapiere für die russische Föderation erhalten. Damit könnte er endlich den Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen, aber theoretisch auch ins Ausland reisen. Am selben Tag hat der Whistleblower offenbar eine Einladung aus dem Iran erhalten.

Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars hat eine Nichtregierungs-Organisation (NGO) namens Gerechtigkeitssucher ohne Grenzen Snowden einen Brief geschrieben: «Da zu den von Ihnen aufgedeckten illegalen Tätigkeiten der USA auch das Ausspionieren von iranischen Bürgern gehört, laden wir Sie nach Iran ein, um uns detailliert darüber zu berichten», heisst es darin. Das iranische Volk halte zu jenen, die für die Wahrheit kämpften und den Preis für ihren Widerstand bezahlten.

Zumindest der Flug wäre sicher

Wie die «Washington Post» festhält, unterhalten iranische NGOs enge Verbindungen zur eigenen Regierung. Teherans Interesse an Snowden ist leicht nachvollziehbar: In keinem Land spioniert die NSA mehr Rechner aus als im Iran. Gemäss der «Heat Map» aus dem Tracking-Tool «Boundless Informant», die Snowden dem britischen «Guardian» zugespielt hat, schlug der US-Geheimdienst allein im März 2013 in der Islamischen Republik 14 Milliarden Mal zu.

Iran war zwar nicht auf der Liste jener Länder, in denen Snowden um Asyl nachsuchte. Doch zumindest die Ausreise würde sich ungleich einfacher gestalten als nach Lateinamerika: Linienflüge von Moskau nach Teheran überfliegen neben russischem nur aserbaidschanischen Luftraum. Die Route über das Kaspische Meer wäre direkt und ein Eingreifen der USA oder Europas so gut wie ausgeschlossen. Ob Snowden angesichts des Interesses der Behörden an seinem Geheimwissen den Iran jemals wieder verlassen würde, ist eine andere Frage.

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