Isis-Terroristen wollen sie zu Märtyrern machen

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Krieg in SyrienIsis-Terroristen wollen sie zu Märtyrern machen

Über 140 kurdische Knaben aus dem Nordosten Syriens sind in der Hand von Isis-Kämpfern. Zwei gelang die Flucht. Sie erzählen, was sie erlebt haben.

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Es war Ende Mai, als Isis-Kämpfer mehr als 600 kurdische Schüler entführten, die aus verschiedenen Dörfern und Städten des syrischen Nordostens stammen. Die Kinder waren in Bussen auf dem Heimweg, nachdem sie in Aleppo ihre Examen abgelegt hatten. Die Mädchen und die jüngeren Buben wurden umgehend freigelassen. Über 140 ältere Knaben sind seither in der Hand der Terroristen.

Laut «The Columbian» gaben die Isis-Kämpfer den Freigelassenen eine Botschaft mit: Sie würden die Kinder einer zehntägigen islamischen Schulung unterziehen und dann wieder nach Hause gehen lassen. Doch die Eltern warten bis heute.

Videos mit Enthauptungen als Drohung

Zwei der Knaben gelang jedoch die Flucht und erzählten vom Horror, den sie erlebten, wie CNN meldet (siehe auch Video oben, auf Englisch). Der 15-jährige Mohammed etwa sagte, dass sie als Erstes ein Video schauen mussten, auf dem ein Mann enthauptet wurde. Die Entführer sagten danach den Kindern, dass jedem, der zu fliehen versuche, dasselbe Schicksal drohe. Mohammed und sein Freund flüchteten trotzdem.

Weiter erzählte der 15-Jährige, dass die Entführer sie angeschrien hätten, weil Knaben und Mädchen gemischt im Bus sassen, als sie überfallen wurden. «Das ist verboten!», habe der Terrorist gebrüllt. Danach seien sie in die von der Isis besetzten Stadt Manbidsch im Nordosten des Landes gebracht worden. Dort seien sie dann täglich mehrere Stunden in der Scharia geschult worden. Sie mussten fünfmal pro Tag beten und immer wieder Horrorvideos von Exekutionen und Selbstmordanschlägen anschauen.

«Das ist Gehirnwäsche», sagt ein Vater

Die zuvor freigelassenen Mädchen und jüngeren Knaben hatten auch eine Telefonnummer mitbekommen. Über diese konnten manche Eltern nach mehreren Tagen mit ihren Söhnen sprechen - und erkannten ihre Kinder kaum wieder, ihre Sprösslinge wirkten völlig radikalisiert. «Sie unterziehen sie einer Gehirnwäsche», sagte ein Vater gegenüber CNN. Die Eltern befürchten, dass die Isis-Terroristen ihre Kinder als Selbstmordattentäter einsetzen wollen.

Kindersoldaten auf beiden Seiten

Andere glauben, dass die Kinder als Geiseln festgehalten werden, um Gefangene freizupressen. Denn die Kurden und die Isis der Region bekämpfen einander und haben gefangene Kämpfer der Gegenseite in ihrer Gewalt.

Diese Woche hatte ein Bericht von Human Rights Watch dokumentert, wie Rebellengruppen aller ideologischen Richtungen in Syrien Kinder rekrutiert haben. Namentlich wurden die Freie Syrische Armee (FSA), der Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front, die Isis sowie die kurdische Miliz YPG genannt.

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