Warum töten sich Janukowitschs Freunde?

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UkraineWarum töten sich Janukowitschs Freunde?

Am Donnerstag ist ein ukrainischer Politiker tot aufgefunden worden. Er soll sich das Leben genommen haben – wie zuvor fünf andere Verbündete des Ex-Präsidenten.

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Der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch legte eine glänzende Karriere hin - bis er am 22. Februar 2014 vom eigenen Volk vertrieben wurde.
Bevor Janukowitsch im Jahr 2002 zum ersten Mal Ministerpräsident wurde (Bild), war er Vorsitzender der Donezker Oblastverwaltung. Der studierte Maschinenbau- und Mechanik-Ingenieur stammt aus einfachen Verhältnissen.
Verheiratet ist er mit Ljudmila Olexandriwna (Bild), das Paar hat zwei Söhne, Olexandr und Wiktor.
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Der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch legte eine glänzende Karriere hin - bis er am 22. Februar 2014 vom eigenen Volk vertrieben wurde.

Keystone/AP/Marko Drobnjakovic

Der ukrainische Politiker Oleksandr Pekluschenko wurde am Donnerstag im südostukrainischen Dorf Sonyachne mit Schussverletzungen am Hals tot aufgefunden. Die Ermittler gehen von Suizid aus – wie im Fall von fünf weiteren politischen Verbündeten des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

Gegen Oleksandr Pekluschenko – von 2011 bis 2014 Gouverneur des südostukrainischen Oblasts Saporischschja und Mitglied von Janukowitschs Partei der Regionen – liefen Ermittlungen. Dem Politiker wurde vorgeworfen, Anfang 2014 Gewalt gegen regimekritische Demonstranten in Saporischschja angeordnet zu haben.

Vor Pekluschenko wurden in den vergangenen Wochen laut «BBC» fünf andere Janukowitsch-Verbündete tot aufgefunden.

Stanislaw Melnik, ehemaliger Parlamentarier, Mitglied der Partei der Regionen und Geschäftsmann, 53, wurde am 9. März erschossen in seinem Badezimmer gefunden. Er hinterliess einen Abschiedsbrief, in welchem er alle um Vergebung bat.

Michailo Tchetschetow, ehemaliger Parlamentarier und Ex-Vorsitzender der Partei der Regionen, starb, nachdem er in der Nacht vom 28. Februar aus dem 17. Stock seiner Wohnung gesprungen war. Ihm wurden Amtsmissbrauch und Bestechung vorgeworfen. Wenige Tage zuvor war er festgenommen worden, weil er drakonische Gesetze gegen die Maidan-Demonstrationen erlassen hatte.

Sergei Walter, Bürgermeister der südostukrainischen Stadt Melitopol in der Oblast Saporischschja, soll sich am 25. Februar erhängt haben. Auch gegen ihn wurde wegen Amtsmissbrauchs und Verbindungen zu organisierter Kriminalität ermittelt.

Oleksandr Bordjuh, ehemaliger Vize-Polizeichef in Melitopol mit Verbindungen zum Ex-Bürgermeister Walter, wurde einen Tag danach – am 26. Februar – tot in einer Garage aufgefunden. Als Todesursache wurde ein Schlaganfall angegeben – laut «Radio Free Europe» eine gängige Angabe im Fall von Suiziden.

Olexij Kolesnik, der Chef der regionalen Regierung in Charkow, wurde am 29. Januar erhängt aufgefunden.

Wussten sie zu viel?

Die Häufung von Suiziden im Umfeld des gestürzten Präsidenten Janukowitsch werfen laut «Ukraine Today» die Frage auf, ob sich die Männer aus Angst vor Ermittlungen das Leben nahmen oder ob sie eventuell zu viel wussten.

Die Ermittler gegen allerdings von Suiziden aus. Sie bestreiten einen Zusammenhang zwischen dem Tod von Pekluschenko und den Todesfällen von Melnik und Tschetschetow. Laut dem Innenminster Arsen Awakow hätten sich die Männer aus Angst vor Gerichtsprozessen das Leben genommen.

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