Wärterinnen zwangen Häftling zu Sex

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GuantánamoWärterinnen zwangen Häftling zu Sex

Das US-Gefangenenlager Guantánamo ist für harte Methoden bekannt. Ein Häftling schildert in seinem Tagebuch, wie er von Wärterinnen sexuell missbraucht wurde.

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Ein Guantánamo-Häftling hat ein Tagebuch veröffentlich, indem er beschreibt, wie er gefoltert wurde.

Ein Guantánamo-Häftling hat ein Tagebuch veröffentlich, indem er beschreibt, wie er gefoltert wurde.

Mohamedou Ould Slahi sitzt seit über 13 Jahren im US-Gefangenenlager Guantánamo. Der Mauretanier war bereits über neun Monate erst in Jordanien und dann am US-Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan verhört worden, bevor er gefesselt und betäubt wurde und mit einer Kapuze über dem Kopf in das berüchtigte Gefangenen-Camp auf Kuba geflogen wurde.

Dort sitzt der Mann noch immer, obwohl es bis heute keine offizielle Anklage gegen ihn gegeben hat. Der Verdacht, er sei in die Planung eines Anschlags auf den Flughafen in Los Angeles oder vom 11. September 2001 in New York verwickelt gewesen, hat sich nicht bestätigt.

Von Frauen sexuell missbraucht

Jetzt hat der Häftling ein Tagebuch veröffentlicht, das Einblick in das Gruselkabinett des amerikanischen Militärs gewährt. Darin schildert Slahi unter anderem, wie er von mehreren US-Beamtinnen sexuell missbraucht wurde. «Okay, dann geben wir dir heute eine Lektion in tollem amerikanischem Sex», soll eine Frau zu ihm gesagt haben. Sie hätten ihn gezwungen, «in absolut entwürdigender Weise bei einem Dreier mitzumachen», wird Slahi von «Spiegel online» zitiert.

«Sie gaben obszönes Zeug von sich und machten an meinem Intimbereich rum», schreibt er weiter. Eine Frau habe ihm gesagt: «Wenn du anfängst zu kooperieren, werde ich aufhören dich zu belästigen. Andernfalls werde ich dasselbe und noch Schlimmeres jeden Tag mit dir machen. Sex mit jemandem zu haben, wird nicht als Folter eingestuft.»

Folter-Teams wechselten sich ab

In seinem Tagebuch berichtet er von grausamen Foltermethoden. Mit Schlafentzug, Endlos-Verhören, Verlegung in eine Kälte-Kammer mit rund zehn Grad Celsius, durch Schläge, Beleidigung und Demütigung soll er eingeschüchtert, gedemütigt, zermürbt und so zum Geständnis gezwungen werden.

«Plötzlich brach ein Kommando-Team, bestehend aus drei Soldaten und einem Schäferhund, in unseren Vernehmungsraum ein», schreibt Slahi. Zwei komplett Vermummte hätten ihn brutal ins Gesicht und in die Rippen geschlagen.

«Verbindet dem Motherfucker die Augen, wenn er sich umschaut», habe einer gerufen, dann habe ihm jemand kräftig ins Gesicht geboxt und ihm dann die Augen verdeckt, Ohren gestopft, ihm eine Tüte über den Kopf gestülpt und ihn gefesselt.

«Ich war überzeugt, dass sie mich jetzt gleich hinrichten»

«Ich sagte kein Wort, ich war von der Überraschung total überwältigt und überzeugt, dass sie mich jetzt gleich hinrichten würden», schreibt Slahi. Er sei nach draussen geschleift und in einen Truck geworfen worden, dann folgte eine Bootsfahrt durch die Karibik, auf der die Tortur weiterging.

«Der Schlägertrupp machte noch drei oder vier Stunden weiter, dann übergaben sie mich an ein anderes Team, das mit anderen Foltermethoden arbeitete.» Dann musste er Salzwasser trinken, später wurde seine Kleidung von Hals bis zu den Knöcheln mit Eiswürfeln gefüllt, um ihn zu quälen und zugleich Prügel-Spuren von zuvor zu beseitigen.

Das Sturmkommando handelte auf Beschluss von ganz oben: Donald Rumsfeld, Verteidigungsminister unter dem ehemaligen Präsidenten George W. Bush, war mit der Akte vertraut und ordnete an, den Druck auf den mutmasslichen Al-Kaida-Verschwörer mit intensiven Verhören zu erhöhen.

Ein Jahr sei er an einem geheimen Ort von Camp Echo festgehalten worden, und selbst Vertretern des Roten Kreuzes, die sonst Zugang zu Guantánamo-Insassen haben und für bessere Haftbedingungen kämpfen, wurde der Zutritt «aus militärischer Notwendigkeit» verwehrt.

«Zeigt keine Gnade. Erhöht den Druck. Treibt ihn zum Wahnsinn», zitiert Slahi einen Aufseher. Er selbst habe in der Haft seine eigenen Strategien entwickelt: «Ich gab mich immer ängstlicher, als ich in Wirklichkeit war.» Denn sonst hätte man ihn noch schlimmer behandelt.

Immer wieder habe er an seine Familie gedacht. Nach Jahren der Isolation habe er erstmals wieder Kontakt zu ihnen aufnehmen dürfen.

Bisher keine Klage

«Er weiss, dass er unschuldig ist, deswegen hat er durchgehalten», ist sein Bruder Yahdih Ould Slahi überzeugt. «Wenn ich über alles sprechen würde, was meine Familie erlitten hat, würden wir hier bis morgen sitzen», sagte er anlässlich der Buchvorstellung in London.

Yahdih Ould Slahi, der in Düsseldorf lebt, hat aus dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» erfahren, dass sein Bruder in Guantánamo ist. Erst wollte die Familie in Mauretanien ihm gar nicht glauben.

Dann kam der erste Brief aus dem Gefängnis. Das Buch sei die letzte Rettung für die Familie, sie seien stolz auf den Bruder. «Unsere Kinder und Frauen haben aufgehört zu weinen.»

Der Wahrheitsgehalt von Mohamedou Ould Slahis Bericht lässt sich nicht überprüfen, klingt mit Blick auf Details aus dem CIA-Bericht und anderen Berichten aus «Gitmo» aber authentisch.

Juristisches Gezerre um Publikation

Wie brisant das 466 Seiten zählende, handgeschriebene Manuskript ist, zeigt das juristische Gezerre. Mehr als sechs Jahre kämpften seine Verteidiger für die redigierte Freigabe unter den strengen Protokollen des US-Militärs. Es wurde an einem sicheren Ort nahe Washington gelagert und war nur denjenigen mit vollen Sicherheitsbefugnissen zugänglich.

Erst vergangenen Monat schilderte ein Senatsbericht die CIA-Verhörmethoden nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als weit brutaler als bisher bekannt. (pat/sda)

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