Wütende Proteste gegen Islands Regierungschef

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Panama PapersWütende Proteste gegen Islands Regierungschef

Islands Premierminister ist unter den Politikern, deren Geschäfte von den Panama Papers aufgedeckt wurden. Tausende Isländer fordern nun Neuwahlen.

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Islands Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson hatte 2013 sein Amt mit einem Versprechen angetreten. Er wollte die dubiosen Finanzpraktiken bekämpfen, die das Land in der Finanzkrise 2008 an den Rand des Ruins getrieben hatten.

Ausgerechnet ihm selbst könnten nun zweifelhafte Geschäfte zum Verhängnis werden. Wie die «Süddeutsche Zeitung» im Zusammenhang mit dem «Panama Papers»-Skandal berichtet, soll er bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau Anna Sigurlaug Pálsdóttir auf den britischen Jungferninseln eine Briefkastenfirma besessen haben. Wintris Inc. verfügte unter anderem über Anleihen wichtiger isländischer Banken. Das Paar soll Millionenbeträge vor den Steuerbehörden versteckt haben. Eine Rolle spielte dabei die panamaische Finanzkanzlei Mossack Fonseca. Gunnlaugsson sagte am Sonntag, er habe «nichts versteckt».

TV-Interview machte Skandal öffentlich

In Island ist der Skandal um den Premier bereits deutlich länger Thema als im Rest der Welt die Panama Papers. Bereits im März hatten Journalisten Gunnlaugsson in einem TV-Interview mit den Vorwürfen konfrontiert (siehe Video). Kurz darauf habe dessen Ehefrau auf Facebook betont, Wintris sei allein ihre Firma, die sie immer steuerlich deklariert habe, schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Fälschlicherweise habe die Bank ihren Mann als Anteilseigner eingetragen. Diesen Fehler hätten sie später korrigiert. Der zuständige Landsbanki-Mitarbeiter hält einen solchen Faux-pas hingegen für unwahrscheinlich.

Involviert in die Geschäfte der Firma waren als Vermittler eine Luxemburger Niederlassung des isländischen Finanzinstituts Landsbanki und eine Londoner Filiale der Credit Suisse. Hier eröffnete Wintris Inc. im Jahr 2008 ein Konto.

Isländer sind wütend

Die Opposition will Premierminister Gunnlaugsson diese Woche im Parlament die Vertrauensfrage stellen. Sie forderte inzwischen auch seinen Rücktritt, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Mehr als 23'000 Isländer haben sich der Forderung in einer Online-Petition angeschlossen. Gunnlaugssons Vorgängerin, die Sozialdemokratin Johanna Sigurdadottir, forderte ihn am Sonntagabend auf ihrer Facebook-Seite ebenfalls zu diesem Schritt auf. Indem er sein Geld in einem Steuerparadies angelegt habe, habe Gunnlaugsson «sein Misstrauen» gegenüber der isländischen Währung und Wirtschaft ausgedrückt. Er scheine «nicht zu verstehen, was Moral bedeutet».

Am Montagabend fand vor dem Parlament in Reykjavik, dessen Osterpause gerade erst vorbei ist, eine grosse Anti-Regierungs-Demonstration. Für die Veranstaltung sind bei Facebook im Vorfeld mehr als 8000 Zusagen eingegangen. Die Demonstranten fordern vorgezogene Neuwahlen, wie der «Iceland Monitor» schreibt.

US-Whistleblower Edward Snowden dokumentiert in einem Tweet den Moment, in dem Gunnlaugsson im TV-Interview auf seine Briefkastenfirma angesprochen wird:

(mlr/sda)

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