Professoren erwarten Trumps Sieg

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Gegen den TrendProfessoren erwarten Trumps Sieg

Im amerikanischen Wahlkampf sagen fast alle Umfragen einen Sieg Hillary Clintons voraus. Stimmt nicht, sagen zwei Professoren.

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Als würde er siegen: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump trifft am 25. Oktober in Florida ein.
Umfragen zwei Wochen vor dem Wahltermin am 8. November 2016 sagen im Durchschnitt einen klaren Sieg der Demokratin Hillary Clinton voraus. (24. Oktober 2916)
Doch Trump misstraut den Umfragen. Er glaubt, sie seien verfälscht. (25. Oktober 2016)
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Als würde er siegen: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump trifft am 25. Oktober in Florida ein.

AP/Evan Vucci

Die Zahlen sind so erdrückend, dass es eigentlich keine Diskussion mehr geben sollte. In einem von Real Clear Politics erstellten Umfrageschnitt führt Hillary Clinton mit über fünf Prozentpunkten vor Donald Trump (siehe unten). Zwei Wochen vor dem Wahltermin vom 8. November zitiert die gleiche Site Prognostiker von PredictWise mit der Voraussage, dass die Demokratin mit 91 Prozent gegen 9 Prozent Wahrscheinlichkeit gegen den Republikaner siegen wird.

Der politische Quereinsteiger Trump unterwirft sich diesen Zahlen natürlich nicht. Er wettert gegen angeblich «gefälschte» Umfragen. Den Demoskopen wirft er vor, die Zahl der erwarteten demokratischen Wähler gegenüber den republikanischen absichtlich zu hoch anzusetzen. Experten interpretieren Trumps Deutung als Ausdruck von Wunschdenken.

In den Primärwahlen stark

Dafür geben zwei Professoren Trumps Siegeserwartungen recht. Sie stützen ihre Prognosen nicht auf Umfragen, sondern auf eine genauen Beobachtung der politischen Lage und der Ereignisse im Vorwahlkampf.

Der Politikwissenschaftler Helmut Norpoth von der Stony-Brook-Universität in New York untersucht in seinem «Primary Model» die relative Stärke der Kandidaten in den Primärwahlen. Weil Trump über ein Dutzend republikanische Widersacher überwand, während Clinton mit bloss zweien Mühe hatte, gibt ihm Norpoth eine Siegeswahrscheinlichkeit von 87 bis 99 Prozent. Der Republikaner werde 52,5 der Stimmen erzielen, Clinton bloss 47,5 Prozent, behauptet der Politologe. Norpoth rühmt sich, dass sein Modell seit seiner Einführung 1996 noch nie falsch gelegen sei.

Bilanz von 13 «Schlüsseln»

Auf eine noch längere Serie korrekter Prognosen kann der Historiker Allan Lichtman von der American University in Washington zurückblicken: Sein Modell ergibt richtige Ergebnisse für Wahlen zur US-Präsidentschaft seit 1984. Für seine Voraussage stellt Lichtman 13 Fragen, die er als «Schlüssel» bezeichnet. Sie untersuchen verschiedene Aspekte der Stärke des Amtsinhabers. Sind sieben oder mehr Fragen mit «ja» zu beantworten, bleibt das Weisse Haus in derselben Hand. Lauten die Antworten siebenmal oder häufiger «nein», geht die Macht an die andere Partei über.

Hier sind Lichtmans Fragen und die für die laufenden Wahlen geltenden Antworten (aufgepasst auf doppelte Negationen):

1. Hat die bisherige Partei eine Mehrheit im Repräsentantenhaus? (nein)

2. Gab es bei der bisherigen Partei einen ernsthaften Nominationskampf? (ja)

3. Ist der Kandidat der bisherigen Partei der Amtsinhaber? (nein)

4. Gibt es keine starke Drittpartei? (ja)

5. Gibt es keine Rezession im Wahlkampf? (ja)

6. Ist das Wirtschaftswachstum in den zurückliegenden vier Jahren höher als der Schnitt der davorliegenden zwei Amtsperioden? (ja)

7. Hat der bisherige Präsident in der zu Ende gehenden Amtszeit grossen politischen Wandel bewirkt? (nein)

8. Gibt es keine sozialen Unruhen? (ja)

9. Gibt es keinen grossen Skandal in der bisherigen Regierung? (ja)

10. Erleidet die Regierung keine militärische oder aussenpolitische Schlappe? (nein)

11. Erfreut sich die Regierung eines grossen militärischen oder aussenpolitischen Erfolgs? (nein)

12. Ist die Kandidatin der bisherigen Partei charismatisch? (nein)

13. Ist der Kandidat der neuen Partei nicht charismatisch oder ein

Held? (nein)

Laut Lichtman sind nur sechs der Fragen mit «ja» zu beantworten und sieben mit «nein». Ergebnis: Donald Trump wird gewinnen.

Der Professor machte unlängst allerdings eine Einschränkung. «Nach meiner Analyse müsste 2016 eine Wandel-Wahl sein», schrieb er am Wochenende in «The Hill». Donald Trump sei jedoch ein «die Geschichte umstürzender Kandidat, der daran ist, eine Niederlage einzustecken, obwohl er eigentlich siegen müsste».

Interview von Allan Lichtman mit der BBC:

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