NordirlandHaben Agenten des MI5 Kinder missbraucht?
Hunderte Kinder wurden in den letzten 70 Jahren in Nordirland missbraucht – angeblich auch von Agenten des britischen Geheimdiensts. Nun haben die Ermittlungen begonnen.
Brisant: Der britische Geheimdienst MI5 und die nordirische Sonderpolizei Royal Ulster Constabulary (RUC) wussten davon. Agenten sollen die Heime gar selbst frequentiert und sich am Missbrauch der Kinder beteiligt haben, wie der «Guardian» schreibt.
Am Montag hat die Historical Institutional Abuse Inquiry (HAI) unter der Leitung von Sir Anthony Hart ihre Arbeit aufgenommen. 434 Personen, die als Kind in einem Heim missbraucht worden waren, haben sich bisher gemeldet. Rund 300 von ihnen haben sich bereit erklärt, auch öffentlich auszusagen.
Vom Priester missbraucht
«Wenn ich nur einem Mädchen oder einem Jungen helfen kann, dann hat sich das schon gelohnt», sagt Kate Walmsley zu «The Globe And Mail». Die 57-Jährige ist eines der 434 Opfer, die sich bei den Ermittlern gemeldet haben, um von ihren schreckliche Erfahrungen zu erzählen. Walmsley wurde als 12-Jährige im Heim von einem Priester sexuell missbraucht. Sich dem lange Verdrängten zu stellen, ist nicht einfach.
«Die Nonnen hatten eine lockere Hand», sagt John Heaney, der als Kind in einem Heim der Schwestern von Nazareth lebte und von ihnen regelmässig geschlagen wurde. Meist auf den Kopf, immer wieder mit einem Stock auf die Fusssohlen. Nie wusste man, wann die Nonnen als Nächstes zuschlugen. Und nachts missbrauchten ihn die älteren Jugendlichen im Heim sexuell. Auch der 55-Jährige hofft, dass die Täter jetzt endlich zur Rechenschaft gezogen werden.
Erst zwei Entschuldigungen
Insgesamt sind 13 Heime im Visier der Ermittler. Es handelt sich um kirchliche, staatliche und private Institutionen. Zwei Organisationen haben bereits zugegeben, dass in ihren Heimen Kinder physisch und sexuell missbraucht worden sind, und sich öffentlich für die Vorfälle entschuldigt: die Schwestern von Nazareth, eine apostolische Glaubensgemeinschaft, und die Brüder der christlichen Schulen, ein katholischer Männerorden.
Die Ermittlungen werden noch bis Juni 2015 andauern, der Schlussbericht wird gemäss «BBC News» auf Januar 2016 erwartet. Die Untersuchungskommission hat lediglich die Aufgabe, die Vorfälle zu dokumentieren. Sie hat keine rechtlichen Mittel, wird aber Hinweise auf Verbrechen an die Polizei weiterleiten.