Dürre in der SahelzoneDer Hunger holt sich die Schwächsten
Wie der kleine Aliou, der sich vor Hunger nicht auf den Beinen halten kann, sind in der Sahelzone eine Million Kinder vom Hungertod bedroht. Da Spenden fehlen, schlägt die Unicef Alarm.
Es ist schon spät am Morgen und Aliou wartet noch immer aufs Frühstück. Der Zweijährige fällt auf die Knie und presst seine Stirn weinend auf den staubigen Boden vor der Hütte seiner Familie. Untröstlich jammert er, windet sich vor Hunger. Ein Nachbar reicht Aliou etwas ungekochte Hirse und der dünne kleine Junge stopft das Essen gierig in den Mund.
Aliou hat sich beruhigt - für den Augenblick. Bald wird der Hunger ihn wieder überwältigen. Seiner Mutter Maryam Sy bricht es das Herz. Jeder Tag wird bestimmt von der verzweifelten Suche nach Nahrung für die Kinder und dem vergeblichen Bemühen, die hungrigen Kleinen zu beruhigen. «Ich mache Feuer, setze einen Topf mit Wasser auf und sage den Kindern, dass ich koche», sagt Maryam mit rauer Stimme. «Dabei habe ich gar nichts.»
Aliou teilt sein Schicksal mit Hunderttausenden anderen afrikanischen Kindern. Was seine Geschichte besonders alarmierend macht, sind folgende Fakten: Der Zweijährige lebt im Senegal, dem reichsten Land im Sahel. Und: Das Schlimmste steht noch bevor.
Mehr als eine Million Kinder unter fünf Jahren in der Sahel-Zone haben nach Schätzungen von UNICEF so wenig zu essen, dass ihr Leben auf dem Spiel steht. Der Hunger ist in der Region ein steter Besucher, alljährlich kommt er, um sich die Schwächsten zu holen. Sogar in Jahren, in denen keine Krise herrscht, sterben rund 300.000 Kinder in West- und Zentralafrika, weil sie nicht ausreichend versorgt werden. Eine Dürre, eine ausfallende Ernte, und schon verhungern die, die sich sonst gerade so mit einer Mahlzeit am Tag durchschleppen können.
Seit Monaten läuten Hilfsorganisationen die Alarmglocken. Doch die Spenden reichen nicht aus.
«Nur noch ein paar Stunden»
Es ist Mittag in Goudoude Diobe. Die Zeit, in der die Frauen normalerweise stundenlang an den Töpfen stehen. Doch jetzt zieht kein Duft von Gemüse und Gewürzen durch die Luft. Kein Klirren von Kesseln ist zu hören. «Wir können nichts tun», resigniert Samba Bayla und weist auf die hungrige Kinderschar, die sich um ein kleines Töpfchen Hirse und einen kleinen getrockneten Fisch drängt. «Wir sagen ihnen: 'Nur noch ein paar Stunden.'»
Als die Regenzeit hier in der Region Matam im Nordosten des Landes einsetzte, war es schon spät und der Regen fiel nur äusserst spärlich. Die Ernte blieb aus. Die für den Notfall gelagerten Vorräte sind aufgebraucht. Die nächste Anbauphase lässt noch Monate auf sich warten. Wer Glück hat, bekommt von Verwandten in Dakar oder in Europa Unterstützung. Doch das sind die Allerwenigsten.
Die Nacht wird wieder ruhelos
Die Zeit des Abendessens ist vorüber. Das Essen selbst war wie immer zu wenig. Der dreijährige Yaya Feyni liegt blass, krank und geschwächt auf einem Bett, während seine sechs Geschwister spielen. An guten Tagen tollen sie mit ihren Freunden in der Ortschaft Fass herum. Ihre Bäuche vergessen jedoch nie, dass sie leer sind.
Die Nacht wird wieder ruhelos. Einige der Kinder können nicht schlafen vor Hunger.
Und morgen wird es wieder kein Frühstück geben für Aliou und viele andere. Es gibt nur das Gebet, mit dem Alious Mutter bei jedem Tagesanbruch inständig um Hilfe für ihre Familie und die Nachbarn bittet. Bislang wurde es nicht erhört.
Spenden
Glückskette sammelt für die Menschen in der Sahelzone. Spenden können Sie mit dem Vermerk «Sahel» an 10-15000-6. Oder auf glueckskette.ch.
Caritas nimmt Spenden für die Dürreopfer im Sahel entgegen auf caritas.ch.