Karikatur von «Charlie Hebdo» entzweit die Welt

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SatirezeitungKarikatur von «Charlie Hebdo» entzweit die Welt

Mit einem Cartoon zu den Übergriffen in Köln und zum toten Flüchtlingsjungen Aylan löst das Satiremagazin «Charlie Hebdo» heftige Reaktionen aus.

Empörung: Diese Karikatur von «Charlie Hebdo» wird hefitig kritisiert.

Empörung: Diese Karikatur von «Charlie Hebdo» wird hefitig kritisiert.

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Darf Satire wirklich alles? Das ist wieder einmal die Frage nach der jüngsten Karikatur von «Charlie Hebdo». Das französische Satiremagazin zeigt im gleichen Cartoon den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan und die Vorkommnisse von der letzten Silvesternacht in Köln, als Frauen von Flüchtlingen und Ausländern sexuell belästigt und beraubt wurden. Die Überschrift mit dem Thema «Migranten» lautet: «Was wäre aus dem kleinen Aylan geworden, wenn er überlebt hätte?» Die Antwort: «Ein Hinterngrapscher in Deutschland.»

Das Magazin ist bekannt dafür, zu provozieren. Und das ist «Charlie Hebdo» auch dieses Mal gelungen. «Charlie muss dort sein, wo die anderen sich nicht hintrauen», erklärte jüngst Chefredaktor Riss, der mit bürgerlichem Namen Laurent Sourisseau heisst.

Zu weit gegangen?

Nun aber ist die Satirezeitschrift offenbar für einige Menschen zu weit gegangen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter empören sich viele Leute über die Zeichnung. «Wenn Zeitschriften Cartoons bringen, in denen sie ausdrücken, dass es besser ist, dass Aylan gestorben ist, da er sonst ein vergewaltigender Flüchtling geworden wäre, dann ist das Rassismus», schreibt eine Nutzerin. Ihr Tweet wird durchaus geteilt. Viele finden, dass «Charlie Hebdo» in diesem Fall zu weit gegangen sei.

Tief verletzt und angewidert von der Karikatur ist die Tante des verstorbenen Flüchtlingkindes, Tima Kurdi. Die Frau, die in Kanada Asyl gefunden hat, meinte gegenüber CBC News, dass die Familie nach dieser Tragödie nicht mehr dieselbe sei. «Ich hoffe, die Leute respektieren unseren Schmerz.» Die Familie wieder zu verletzen, sei einfach nicht fair. Auch in angelsächsischen Medien wird intensiv über die Zeichnung berichtet und debattiert.

Das Satiremagazin aus Paris sorgt wieder einmal weltweit für Furore. Die Pariser Korrespondentin des «Tages-Anzeigers» hält fest: «Trotz des Weltruhms versucht die dezimierte Mannschaft, dem Prinzip des bissigen, rücksichtslosen Humors treu zu bleiben. Sie will zum Nachdenken anregen. Die Freiheit von ‹Charlie Hebdo› hat noch nie da aufgehört, wo die Gefühle anderer begannen.»

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