London-Killer war dem Geheimdienst bekannt

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Michael AdebolajoLondon-Killer war dem Geheimdienst bekannt

Der britische Geheimdiensts MI5 muss einiges erklären. Der 28-jährige Mann und sein Komplize, die den jungen Soldaten brutal massakrierten, waren keine unbeschriebenen Blätter.

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Michael Adebolajo, der Mann, der am Mittwoch zusammen mit einem Komplizen in London einen britischen Soldaten auf einer Strasse im Stadtteil Woolwich ermordet hatte, war dem Geheimdienst bekannt. Wie der MI5 berichtet, handelten die beiden Täter alleine. Der gebürtige Nigerianer Adebolajo wuchs in einem christlichen Umfeld auf. Erst als Teenager begann er sich für den Islam zu interessieren. «Er war ein gläubiger Christ, ein ganz normaler Typ», beschreibt ihn ein Freund gegenüber der englischen Zeitung «The Standard». Erst im Alter von fünfzehn soll er sich in den Koran vertieft haben.

Adebolajo besuchte Seminare von Al Muhajiroun, einer verbotenen islamistischen Organisation. Anjem Choudary, ihr religiöser Führer, erinnert sich: «Ich kannte ihn als Mujahid. Er nahm an meinen Vorlesungen teil. Ich würde ihn nicht wirklich als Mitglied von Al Muhajiroun beschreiben, es gibt einige, die unsere Veranstaltungen besuchen, jedoch nicht wirklich dazugehören.»

Eltern zogen nach London

Als die Eltern bemerkten, dass Michael immer radikaler wurde, entschlossen sie sich, den Sohn in ein neues Umfeld zu bringen. Die Familie zog von Romford in der Grafschaft Essex in die Metropole London. Sie wollten ihn vor Al Muhajiroun schützen und erhofften sich, dass er dadurch von seiner extremen Gesinnung abkommen würde.

Doch der 28-Jährige war nicht von seinen radikalen Ansichten abzubringen. Als er mit einem Fleischermesser den jungen Soldaten schlachtete, schrie er: «Ich schwöre bei Allah, dem Allmächtigen, dass wir nie aufhören werden, euch zu bekämpfen.»

Jetzt muss der Geheimdienst Red und Anwort stehen. Englands Premierminister David Cameron mochte sich dazu noch nicht äussern. Der britische Inlandgeheimdienst steht seit den Bombenanschlägen vom 7. Juli 2005 in der Kritik. Damals waren die Drahtzieher ebenfalls auf einer Liste der Behörden, doch eine ernsthafte Bedrohung für die nationale Sicherheit sah der MI5 in ihnen nicht.

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