Kölner Polizei entschuldigt sich für Begriff «Nafris»

Aktualisiert

RassismusvorwurfKölner Polizei entschuldigt sich für Begriff «Nafris»

Nach dem Grosseinsatz in der Silvesternacht steht die Kölner Polizei in der Kritik. In einem Tweet hatte sie Nordafrikaner «Nafris» genannt.

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In diesem Jahr ist es in der Silvesternacht in Köln nicht verbreitet zu sexuellen Übergriffen gekommen. Doch nun werfen einige Politiker der Polizei vor, Menschen allein aufgrund ihres Aussehens kontrolliert zu haben. Ausserdem ist ein Tweet der Polizei in der Kritik.

Der Polizeieinsatz in der Silvesternacht löste eine Diskussion über den Begriff «Nafris» und über das gezielte Kontrollieren von Nordafrikanern aus. Polizeipräsident Jürgen Mathies bedauerte am Montag die Verwendung der Bezeichnung «Nafris» für Nordafrikaner in einem Tweet der Polizei.

Die Kölner Polizei hatte am Silvesterabend via Twitter mitgeteilt: «Am HBF werden derzeit mehrere hundert Nafris überprüft. Infos folgen.» Dazu sagte Mathies am Montag im WDR: «Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation. (...) Das bedauere ich ausserordentlich.» Die Bezeichnung werde als «Arbeitsbegriff» innerhalb der Polizei verwendet. Er sei in Teilen ja auch von Medien übernommen worden, sagte er.

Kontrollen verteidigt

Nach Überzeugung der Bundespolizei benutzen die Beamten den Begriff «Nafri» wie in der Kölner Silvesternacht keineswegs, um Menschen aus Nordafrika pauschal abzuwerten. «Das ist lediglich eine Abkürzung für nordafrikanische Intensivtäter und ist keinesfalls rassistisch oder als Schimpfwort gemeint», sagte Ernst Walter, der Vorsitzende der Deutschen Bundespolizeigewerkschaft (DPolG), am Montag.

Die umfangreichen Kontrollen am Kölner Hauptbahnhof verteidigte Behördenchef Mathies. Die Bundespolizei habe zuvor schon aus den Zügen gemeldet, dass «hochaggressive» Gruppen nach Köln unterwegs seien. Die Polizei habe dann das Gruppenverhalten und auch das Verhalten einzelner Personen beobachtet und davon ausgehend kontrolliert.

«keine grauhaarigen älteren Männer»

«Es ist nun mal so, dass gerade auch aus den Erfahrungen der vergangenen Silvesternacht, aus Erfahrungen, die wir durch Razzien insgesamt auch gewonnen haben, hier ein klarer Eindruck entstanden ist, welche Personen zu überprüfen sind», sagte Mathies. «Es waren keine grauhaarigen älteren Männer oder blondhaarigen jungen Frauen.» In einer solchen Situation, in der Tausende Menschen gleichzeitig am Hauptbahnhof ankämen, müsse die Polizei zwingend sofort Entscheidungen treffen.

In der Silvesternacht vor einem Jahr war es am Kölner Hauptbahnhof zu zahlreichen sexuellen Übergriffen gekommen. Die Verdächtigen und Verurteilten waren überwiegend Nordafrikaner. Diesmal kam es nicht verbreitet zu solchen Taten.

Ein Jahr nach der Silvestergewalt

Behördenchef Jürgen Mathies verwehrte sich gegen Rassismusvorwürfe im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz. Er reagierte damit auch auf Kritik von Grünen-Chefin Simone Peter. Sie hatte in der «Rheinischen Post» «Verhältnis- und Rechtmässigkeit» des Einsatzes in Frage gestellt, bei dem «insgesamt knapp tausend Personen allein aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden». Als «völlig inakzeptabel» bezeichnete die Grünen-Vorsitzende den Gebrauch von «herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie 'Nafris'». Gleichzeitig lobte sie die Kölner Polizei dafür, dass sie Gewalt und Übergriffe in der Silvesternacht begrenzt hat. (chi/sda)

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