43 Millionen ArmeSuppenküchen verbreiten sich in ganz Europa
43 Millionen Europäer können sich nicht genug zu essen leisten. In England entsteht jetzt die erste Suppenküche seit dem 2. Weltkrieg. Dramatisch ist die Lage aber auch in Italien, Spanien und Griechenland.

In Spanien gibt es Suppenküchen seit mehreren Jahren. In Grossbritannien entsteht nun die erste seit dem Zweiten Weltkrieg.
Das Rote Kreuz spricht in einer neuen Studie von der «schlimmsten humanitären Krise seit sechs Jahrzehnten» in Europa. 43 Millionen Bürger seien auf Suppenküchen und Spenden angewiesen, heisst es. Laut dem Bericht ist in 17 EU-Ländern gar ein Fünftel der Bevölkerung arm.
Wie die britische Zeitung «The Independent» berichtet, werde die Hilfsorganisation in Grossbritannien in diesem Winter zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Lebensmittel ausgeben. Immer mehr Briten seien auf fremde Hilfe zum Überleben angewiesen, schreibt das Blatt. Darum wolle das Rote Kreuz wieder Lebensmittel sammeln und verteilen.
50'000 Menschen in Mailand von Lebensmittelhilfe abhängig
Für die Mission würden nun freiwillige Helfer in Supermärkten um Esswaren bitten. Die Wohltätigkeitsorganisation FareShare ist dann für die Verteilung der Hilfspakete an Armenküchen im ganzen Land zuständig.
In anderen Staaten Europas sei die Situation nicht viel anders, meldet die Internationale Föderation von Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC). Der drastische Sparkurs vieler Staaten sei für den Notstand verantwortlich, sagt IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta. Besonders dramatisch sei die Lage in Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien. Allein in der italienischen Wirtschaftsmetropole Mailand seien mehr als 50'000 Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen.
Doppelt so viele Arme in Spanien
Die Hilfsorganisation Caritas hat aus Spanien auch nichts Gutes zu berichten: Die Zahl der Armen habe sich seit dem Beginn der Wirtschaftskrise verdoppelt, teilte Caritas am Freitag mit. Drei Millionen Menschen – etwa sechs Prozent der Gesamtbevölkerung - leben demnach in absoluter Armut und müssen mit einem Einkommen von weniger als 307 Euro im Monat auskommen.
«Ich muss zu einer Suppenküche gehen», erzählt eine Frau gegenüber «20 Minutos». «Ich kann nur samstags und montags in einem Altersheim arbeiten und verdiene 320 Euro.» Der Leiter einer Suppenküche sieht in der Tatsache, dass laufend Suppenküchen eröffnet werden müssen, «ein Zeichen, dass die Gesellschaft und die Sozialpolitik der letzten Jahre versagt haben».
Die Caritas warnt, dass nun eine «zweite Welle der Verarmung» drohe. Der Grund: Die Familien können wegen der Sparpolitik der Regierung ihrer traditionellen Unterstützungsfunktion nicht länger gerecht werden.