Nach MesserattackenTausende Israelis greifen zu den Waffen
Um weitere Gewalt zu verhindern, trennt Israel jüdische und arabische Viertel mit einer Mauer. Die Bevölkerung sorgt in Sachen Sicherheit derweil selbst vor.
Israels Regierung reagiert auf eine neue Welle der Gewalt und lässt arabische und jüdische Viertel im Ostteil Jerusalems mit einer Mauer trennen. Das arabische Viertel Issawijeh solle eingezäunt und damit de facto zu einer Enklave in Jerusalem werden, berichtete das israelische Radio am Montag.
Teil des Plans sei eine 1,5 Kilometer lange und neun Meter hohe Mauer, deren Baukosten auf umgerechnet 4,6 Millionen Euro geschätzt werden. Die Mauer solle verhindern, dass Palästinenser aus Issawijeh Steine und Brandflaschen auf Autos werfen, die auf einer nahe liegenden Strasse zwischen Jerusalem und der Siedlerstadt Maale Adumim unterwegs sind.
«Ewige und unteilbare» Hauptstadt
Ein anderer Teil des Viertels mit rund 20'000 Einwohnern soll mit Betonblöcken abgesperrt werden. Eine ähnliche Sperre ist zwischen der israelischen Siedlung Armon Hanaziv und den arabischen Vierteln Dschabel Mukaber und Sur Baher geplant.
Ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums betonte, es handle sich um reine Sicherheitsmassnahmen und nicht um einen politischen Schritt.
Israel hat ganz Jerusalem zur «ewigen und unteilbaren» Hauptstadt erklärt. Die Palästinenser beanspruchen dagegen den von Israel annektierten arabischen Ostteil Jerusalems als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.
Tausende Israelis greifen zu Waffen
Auch die Bevölkerung reagiert auf die Messerattacken der letzten Wochen: Tausende von Israelis wollen sich nun bewaffnen. Der israelische Armeesender berichtete am Montag von einem deutlichen Anstieg der Anträge für einen Waffenschein.
Polizeiminister Gilad Erdan hatte wegen der vielen Anschläge angekündigt, er wolle den Prozess zum Erwerb eines Waffenscheins erleichtern und beschleunigen.
Das zuständige Ministerium für Innere Sicherheit sei allerdings nicht in der Lage, den vielen Anträgen nachzukommen, berichtete der Sender. Das Telefonzentrum der Behörde sei zusammengebrochen, daher könnten derzeit auch keine neuen Waffenscheine ausgestellt werden.
Seit Monatsbeginn sind bei palästinensischen Schuss- und Messerattacken acht Israelis getötet worden. Mehr als 40 Palästinenser kamen ums Leben, die Mehrheit von ihnen mit Messern bewaffnete Attentäter. Andere wurden bei Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften getötet. Laut Medienberichten stammen die meisten Täter aus dem arabischen Ostteil Jerusalems.