IrakTerroristen markieren Christen-Häuser
In Mossul kennzeichnen IS-Terroristen Häuser von Christen. In sozialen Medien und im TV entsteht eine Solidaritätswelle mit der religiösen Minderheit im Irak.
«Von Mossul bis Beirut, wir sind alle Noon», bekundet Dina Sadeq, eine Fernsehmoderatorin des libanesischen Senders Corporation International (LBCI), ihre Solidarität mit den Christen im Irak. «Noon» ist die arabische Aussprache des Buchstabens N. Das Zeichen wird neuerdings von der Terrorgruppe IS (vormals Isis) verwendet, um Häuser von Christen in Mossul zu kennzeichnen, berichtet die arabische Onlinezeitung Al Arabiya. N steht für «Nasara» oder «Nazarenes», dem Namen für Christen im Koran.
Erst Anfang Juli hatten die Extremisten die Christen vor die Wahl gestellt: entweder sie konvertieren zum Islam und zahlen eine Religionssteuer oder sie werden umgebracht. Tausende Christen verliessen daraufhin fluchtartig die Stadt.
Solidarität in Medien
Die Nachricht der Häusermarkierungen sorgt weltweit für Empörung. Die TV-Moderatorin Sadeq trägt aus Solidarität mit der christlichen Minderheit im Irak sogar ein T-Shirt mit einem gelben «Noon»-Zeichen, berichtet die libanesische Zeitung «The Daily Star».
«Wir alle sind Ziele, auf die man mit dem Finger zeigen kann, oder mit einem Schwert, weil wir anders sind. Wegen unseres Geschlechts, unserer Religion oder Hautfarbe», sagt Sadeq. Und: «Wir sind alle betroffen von Besetzung und Sektierertum (...). Aus Solidarität mit den irakischen Christen und Muslimen fügt der Sender LBCI den Buchstaben ?Noon? zu seinem Kürzel. In der Hoffnung, dass die Initiative in eine grössere Medienkampagne mündet.»
Bilder mit «Noon-Tattoos» werden im Internet verbreitet
Sadeq ist nicht die Einzige, die ihre Solidarität kundtut. Vor allem in der arabischen Welt haben die Nachrichten der Häusermarkierungen für Empörung gesorgt. Unter dem Hashtag #WeAreN kursieren auf Twitter Fotos von Menschen verschiedener Religionen, die sich das «Noon»-Zeichen auf ihren Körper malen.
Die Markierung der Christenhäuser erinnert erschreckend an die Kennzeichnung von Juden vor und während des Zweiten Weltkriegs. Erst markierten die Nationalsozialisten Häuser und Geschäfte, danach - mit dem Davidstern - die Menschen selbst.