Moskau betrieb massiv Propaganda für Trump

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Also doch!Moskau betrieb massiv Propaganda für Trump

Tausende russische Internet-Trolle und Botnetze haben im US-Wahlkampf Stimmung gegen Hillary Clinton gemacht – und für Donald Trump. Das fanden Forscher heraus.

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Donald Trump oder Hillary Clinton? US-Wissenschaftler haben untersucht, ob Russland Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen in den USA genommen hat. Ihr Urteil: Eindeutig Ja.
Der russische Präsident Wladimir Putin und der designierte US-Präsident Donald Trump (hier in einem Wandgemälde im litauischen Vilnius vereint)  hatten in der Vergangenheit nur Gutes übereinander zu sagen.
In Serbien frohlockte man kurz nach Wahl Donald Trumps bereits über die möglicherweise guten Beziehungen zwischen Trump und Putin: «Lasst uns die Welt wieder grossartig machen - zusammen», steht auf dem Plakat geschrieben.
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Donald Trump oder Hillary Clinton? US-Wissenschaftler haben untersucht, ob Russland Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen in den USA genommen hat. Ihr Urteil: Eindeutig Ja.

AP/Pavel Golovkin

Was lange vermutet wurde, haben zwei unabhängige Forscherteams jetzt nachgewiesen: Während des US-Wahlkampfs ist von Russland aus massiv Propaganda gegen Hillary Clinton und für Donald Trump betrieben worden. Die Wissenschaftler haben untersucht, wie und in welchem Ausmass Tausende Botnetze, menschliche Trolle, Websites und Social-Media-Accounts falsche Nachrichten verbreiteten oder die Reichweite rechter US-Seiten vervielfachten.

«Sie wollen vor allem das Vertrauen in die US-Regierung untergraben», zitiert die «Washington Post» Clint Watts vom Foreign Policy Research Institute. Zusammen mit zwei Kollegen untersuchte er die russische Propaganda seit 2014. Auf dem Blog «War on the Rocks» hat das Forscher-Trio seine Ergebnisse vorgestellt.

Ein Nutzer, viele Accounts

Es gebe zwar keinen Weg festzustellen, ob die russische Propagandakampagne entscheidend für den Wahlerfolg Donald Trumps gewesen sei, so die Forscher. In jedem Fall sei sie aber Teil einer sehr effektiven Strategie gewesen, Misstrauen gegen die US-Demokratie zu schüren.

Eine zweite Forschergruppe namens PropOrNot liefert konkrete Zahlen. Die Experten nutzten Analyse-Tools, um zum Beispiel den Ursprung bestimmter Tweets zu ermitteln oder die Verbindungen zwischen Social-Media-Konten aufzuzeigen, die synchronisiert Nachrichten verschicken. In vielen Fällen zeigte es sich, dass hinter zahlreichen Accounts ein und derselbe Nutzer steckte.

PropOrNot identifizierte während des US-Wahlkampfes mehr als 200 Websites als regelmässige Verteiler russischer Propaganda. Mindestens 15 Millionen Amerikaner haben demnach diese Seiten besucht. Auf Facebook sei die Reichweite von Artikeln, die über die russische Desinformationskampagne verbreitet wurden, noch grösser gewesen, berichtet die «Post»: Die Texte seien schätzungsweise 213 Millionen Mal angeklickt worden. Oft basierten die Artikel auf den staatlichen russischen Medien «RT» und «Sputnik».

«Schrei in einen Hurrikan»

Die Bemühungen aus Russland seien derart schnell und koordiniert gewesen, dass die Fake-News traditionelle US-Nachrichtenmedien oftmals ausgestochen hätten. Nach Clintons Schwächeanfall am 11. September sei einer der ersten und aufsehenerregendsten Tweets zu ihrem Gesundheitszustand von russischen Botnetzen und Trollen verbreitet worden, schreiben die Autoren.

Als im August ein Artikel von «The Daily Beast» erschien, der eine weit verbreitete Falschmeldung über Clintons Gesundheitszustand entlarvte, wurde dieser auf Facebook nur 1700-mal angeklickt und fand im Netz insgesamt rund 30'000 User. Zum Vergleich: Die Version, die über russische Propaganda-Verteilnetze verbreitet wurde, erreichte 90'000 Facebook-Nutzer und wurde mehr als acht Millionen Mal gelesen. Für die PropOrNot-Forscher gleicht der «Daily Beast»-Text einem «Schrei in einen Hurrikan» aus falschen Nachrichten aus Russland.

Wenig entgegenzusetzen

Ähnliche Verbreitung fanden den Experten zufolge Meldungen über angeblich bezahlte Anti-Trump-Demonstranten oder geplante US-Militärschläge, die man Russland in die Schuhe schieben wolle. Ein PropOrNot-Mitglied, das aus Angst vor russischen Hackern anonym bleiben will, sagte der Zeitung: «Es war, als ob Russland einen riesigen Lobby-Feldzug für die Trump-Kampagne gestartet hätte – und es hat funktioniert.»

Die Forscher befürchten, dass die US-Regierung ausländischer Propaganda nur wenig entgegenzusetzen hat. Gleichzeitig hoffen sie, dass ihre Untersuchungsergebnisse die Verantwortlichen wachrütteln. Moskau hatte in der Vergangenheit immer wieder bestritten, in irgendeiner Art und Weise Einfluss auf den US-Wahlkampf zu nehmen.

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