Leser-Kommentare«Ich kann mir bio einfach nicht leisten»
Während die einen Leser nur Bio-Lebensmittel einkaufen, tut es für die anderen auch die 1-Franken-Pizza. Aber ist die Wahl der Lebensmittel wirklich nur eine Frage des Geldes?
Noch nie waren die Einkaufsgewohnheiten der Schweizer so unterschiedlich. Nicht nur Coop und Migros buhlen um die Gunst der Konsumenten, sondern auch teure Reformhäuser und Billig-Läden wie Aldi respektive Lidl. Die Meinungen der Leser zum Thema Lebensmittel gehen in etwa gleich weit auseinander, wie das Sortiment der zuletzt genannten. Dies zeigt sich in den nahezu 200 Kommentaren zum Artikel «Billig oder bio? Die Schweiz hat eine Shopping-Kluft».
«Ich achte nicht auf die Preise»
In einer Kurzumfrage unter den 20-Minuten-Lesern geben 39 Prozent an, auf Bioqualität und die Nachhaltigkeit der Produkte zu achten. Bei Leserin Meret käme beispielsweise nie eine 85-Rappen-Tiefkühlpizza von Aldi auf den Tisch: «Ich sage immer, man kann sparen, wo man will: Aber man sollte niemals bei den Lebensmitteln sparen, denn die haben direkte Auswirkungen auf die Gesundheit. Was in einer Pizza für 85 Rappen drin ist, kann mit Qualität gar nichts mehr zu tun haben.» Meret spart also bewusst bei anderem, um sich das Essen kaufen zu können, das sie für ihre Gesundheit für wichtig hält. Leser Mäsi hingegen schaut in dieser Hinsicht nicht auf das Geld: «Ich achte weniger auf die Preise und ich kaufe ein, was mir gerade gefällt und schmeckt. Das ist ein kleiner Luxus, den ich mir gönne. Beim Essen sparen, finde ich erbärmlich.»
«Es reicht so schon nicht»
Sein letzter Satz ist wohl ein Schlag ins Gesicht für Leser, die sich ein solches Kaufverhalten nicht leisten können. So schreibt etwa Leserin Mami: «Mich macht es traurig und wütend,wie man immer auf Menschen hinunterschaut, die im Aldi oder in Deutschland einkaufen. Wir sind eine vierköpfige Familie und mit dem Lohn meines Mannes und meinem bisschen Lohn reicht es fast nicht. Wisst ihr, wie gerne ich beim Metzger oder im Reformhaus einkaufen würde?» Sie gehört wohl zu den 17 Prozent, die stark auf die Preise achten (müssen). Genauso wie ein weiterer Leser, der noch studiert: «Ich würde mich sehr gerne ausgewogener oder sogar mit Bio-Lebensmitteln ernähren. Leider haben ich und viele andere Schweizer nicht die finanziellen Mittel, irgendetwas anderes als das Billigste zu kaufen.»
Doch heisst günstig auch gleich schlechte Qualität? Leserin Mimi kauft zwar auch im tieferen Preissegment ein, das aber bewusst: «Ich achte beim Kauf einfach darauf, dass ich möglichst saisonale und unverarbeitete Lebensmittel kaufe. Das ist in der Regel billiger. Fleisch etwas weniger, dafür gute Qualität aus tiergerechter Haltung.»
Mix aus billig und bio
Ein Grossteil (36 Prozent) der Leser geben hingegen an, mal so, mal so einzukaufen. Sie entscheiden je nach Produkt, ob sie die billige, konventionelle oder die teure Variante mit nach Hause nehmen. Eine alleinerziehende Leserin kommt so mit ihren drei Kindern gut über die Runden: «Ich kann es mir nicht leisten, in Gourmettempeln einkaufen zu gehen, auch wenn ich das gerne möchte. Trotzdem weigere ich mich, Billigfood einzukaufen. Wenn ich die Wahl habe, kaufe ich Schweizer Produkte und ich achte auf Saisonales. Wir essen weniger Fleisch, dafür hole ich es mir beim Dorfmetzger. Trotzdem gehe ich auch zu Lidl, weil ich da sparen kann.» Damit ist die Leserin nicht allein. Das kann ein Verkäufer unter den Lesern bestätigen: «Viele kaufen einen Mix von bio, konventioniell und Billigware, ob bewusst oder unbewusst, weiss ich nicht.»
Lesen Sie sämtliche Kommentare zum Thema im Anschluss.