Nummer Acht in Australien verhaftet
Die Ermittlungen nach den fehlgeschlagenen Attentatsversuchen in Grossbritannien haben inzwischen eine internationale Dimension erreicht. In Australien wurde ein achter Verdächtiger, ein indischer Arzt, festgenommen.
Die britische Polizei hat am Montagabend eine weitere Festnahme im Zusammenhang mit den verhinderten Anschlägen in London und Glasgow gemeldet. Die jüngste Festnahme erfolgte in Australien. Dabei handelt es sich um einen 27-Jährigen indischen Arzt, der in Australien in einer Klinik arbeitete, wie der australische Regierungschef John Howard am Dienstag mitteilte. Ein zweiter Arzt werde vernommen. Damit sind insgesamt acht Verdächtige in Gewahrsam genommen worden.
Einer der Männer, die am Samstag einen brennenden Wagen in ein Terminal am Flughafen von Glasgow steuerten, sei Iraker, teilte die Polizei am Montag mit. Ein weiterer Festgenommener absolvierte seine medizinische Ausbildung in Jordanien. Bislang hat die Polizei insgesamt sieben Verdächtige in Gewahrsam.
Bei einem der in Glasgow Festgenommenen handelt es sich nach Angaben eines Polizeisprechers um Bilal Abdulla, der in Fernsehberichten als irakischer Arzt identifiziert wurde. Der zweite Mediziner ist laut Polizei Mohammed Jamil Abdelqader Asha, er wurde am Samstagabend in Mittelengland festgenommen. Der britischen Ärztekammer zufolge wurde Asha in Jordanien ausgebildet und machte seinen Abschluss 2004. Mehrere Fernsehsender und Zeitungen berichteten, er arbeite im Krankenhaus von North Staffordshire in der Nähe der Ortschaft Newcastle-under-Lyme, wo die Polizei am Sonntag Häuser durchsucht hatte.
Die britische Innenministerin Jacqui Smith erklärte, bislang habe es Durchsuchungen an mindestens 19 Orten gegeben. Die Ermittlungen würden mit hoher Geschwindigkeit geführt. Spezialisten sichteten ausserdem tausende Stunden an Aufnahmen von Überwachungskameras und Beweisstücke, die in den Häusern der inzwischen insgesamt sieben festgenommenen Verdächtigen sichergestellt wurden.
Die letzten beiden Festnahmen gab die Polizei am Montag bekannt. Es handele sich um zwei 25 und 28 Jahre alte Männer, die in der Nähe von Glasgow unter den Bedingungen des Gesetzes zur Verhinderung von Terrorismus aufgegriffen wurden. Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Identifizierung der Verdächtigen bereite Schwierigkeiten.
Den Attentätern von Glasgow war die Polizei offenbar kurz vor der Tat dicht auf den Fersen: Wenige Minuten vor dem Anschlag hätten Ermittler die Wohnungsvermittlung Let-It kontaktiert, sagte deren Mitarbeiter Daniel Gardiner. Die Firma habe einem Verdächtigen ein Haus in Houston vermittelt, einem Vorort von Glasgow. Es werde vermutet, dass der Mann im Royal Alexandra Hospital in Paisley als Arzt arbeite. Vor dem Krankenhaus war am Sonntag ein Auto kontrolliert gesprengt worden. Die Polizei gab als Grund eine Verbindung zu dem Anschlag auf den Flughafen an.
In London wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Vor Kontrollpunkten auf der London Bridge bildete sich eine lange Autoschlange, das Tennisturnier in Wimbledon wurde mit Betonbarrieren geschützt.
Unterdessen wurde nach dem Fund eines verdächtigen Päckchens am Sonntag ein Terminal des Londoner Flughafens Heathrow vorübergehend geschlossen. Nach rund einer Stunde konnte Scotland Yard aber Entwarnung geben.
USA wollen mehr Air Marshals einsetzen
US-Präsident George W. Bush lobte die «starke Reaktion» der neuen britischen Regierung angesichts der angespannten Sicherheitslage. Zugleich kündigte er an, dass auf den Flügen zwischen den USA und Europa die Zahl der so genannten Air Marshals erhöht wird. Als Air Marshals werden bewaffnete Sicherheitskräfte bezeichnet, die zum Schutz von Passagierflügen eingesetzt werden. Sie tragen Zivilkleidung und sind daher von anderen Fluggästen nicht zu unterscheiden. Diese Massnahme solle deutlich machen, dass der «Krieg gegen diese Extremisten» weitergehe, sagte Bush am Sonntag. «Man weiss nie, wo sie zuschlagen.»
(sda)