Die 100-Milliarden-Dollar-Frage

Aktualisiert

Apple und das viele GeldDie 100-Milliarden-Dollar-Frage

Die Computerbude schlägt Rekord um Rekord. Mittlerweile hat der iHersteller 100 Milliarden in der Kriegskasse. 20 Minuten Online wüsste ein paar zivile Investitionsmöglichkeiten.

Lukas Egli
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Lukas Egli

Apple ist ein Heilsbringer. Niemand baut bessere und schönere Gadgets als der IT-Gigant aus Cupertino. Die Konsumenten auf der ganzen Welt lieben die Geräte: 37 Millionen iPhones und 15 Millionen iPads verkaufte Apple allein zwischen Oktober und Dezember 2011.

Apple hat im 4. Quartal 2011 seinen Umsatz schon wieder verdoppelt. Kein Wunder, hat auch die Börse ihre liebe Freude an der kalifornischen Computer-Bude mit den schicken Accessoires: Dank iRevolution resultierte ein Reingewinn von sagenhaften 13 Milliarden Dollar. Und das in nur drei Monaten! Astronomisch.

Zum Vergleich: Google, das ebenfalls als IT-Gigant gilt, machte in derselben Periode gerade mal soviel Dollar Umsatz wie der Konkurrent Gewinn.

Investoren würden jubeln

Mittlerweile sitzt der iHersteller auf einem Barvermögen von unvorstellbaren 100 Milliarden Dollar. Erwirtschaftet mit kleinem elektronischem Spielzeug. Der gefallene Eurozonen-Star Irland hat exakt so viel Schulden. Unglaublich.

Doch was tun mit dem immensen Schatz? Vergraben? Natürlich nicht! Wie wäre es mit der Übernahme eines Konkurrenten? Gewinnausschüttung an die Aktionäre? Nichtstun? Alles eher unwahrscheinlich, sagen Kenner. Am wahrscheinlichsten sei ein Aktienrückkauf, der den Aktienkurs weiter beflügeln würde. Investoren würden jubeln. Aber sind wir Investoren? Langweilig!

Nein, Apple könnte wirklich spannendere Sachen anpacken. Die kalifornische Bude könnte mit dem Betrag beispielsweise vier Mal die NEAT bauen, jenes teure Jahrhundertbahnprojekt, an dem wir Schweizer seit über einem Jahrzehnt werkeln. Apple könnte zwei Mal die Schweizer Grossbank UBS kaufen, eine der grössten Banken der Welt.

Tu doch was gegen die Armut, Apfel!

Oder Apple könnte die Gesamtschäden des verheerenden Tsunamis vor der Küste Japans vor einem Jahr begleichen – mit 100 Milliarden Dollar laut Versicherungsfachleuten die teuerste Katastrophe aller Zeiten. Oder Griechenland einen Drittel der Schulden abnehmen. Hélas, Steve Jobs' Erben würden in Athen unsterblich.

Aber halt, man soll ja nicht gleich alles auf einmal ausgeben, haben uns die Eltern eingebläut. Es ginge auch schon mit weniger Einsatz. Allein mit dem Quartalsgewinn von 13 Milliarden liesse sich schon Einiges bewirken auf der Welt. Zum Beispiel gegen die Armut.

An Apple a day keeps the famine away

Laut Uno leben weltweit noch immer mehr als 800 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze, die gemäss Vereinigten Nationen bei bescheidenen 1,25 Dollar am Tag liegt. In einem Apple-Store bekäme man dafür wohl nicht einmal ein weisses Kabel. Anderswo auf der Welt aber offensichtlich genug Trinkwasser, Brot oder Reis zum Überleben.

Angenommen, ein weiterer Quarter – 25 Cent – pro Person und Tag würde die grösste Not der Armen der Welt ein wenig lindern: Mit dem gigantischen Quartalsgewinn könnte Apple ein Vierteljahr lang etwas Leid aus der Welt schaffen. Darf man das sagen: An apple a day keeps the famine away?

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