Apples Antwort auf die Musikpiraten

Aktualisiert

10 Jahre iTunesApples Antwort auf die Musikpiraten

Die iTunes-Plattform hat sich in einem Jahrzehnt zum weltgrössten Musikverkäufer entwickelt. Angesicht von Abodiensten wie Spotify steht Apple allerdings vor neuen Herausforderungen.

Nekesa Mumbi Moody
AP
von
Nekesa Mumbi Moody
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Als Apple vor zehn Jahren mit seinem iTunes Music Store an den Start ging, hatte die Musikindustrie massiv mit den Folgen von Musik-Downloads zu kämpfen. Entsprechend gespannt war die Branche, wie sich der neue Dienst entwickeln würde. «Der Himmel stürzte ein, und iTunes bot einen Ort, an dem wir Musik zu Geld machen und uns theoretisch gegen die Welle der Piraterie stemmen würden», sagt Michael McDonald vom US-Plattenlabel ATO Records.

Doch der iTunes Music Store wurde viel mehr als eine Lösung: Er veränderte die Art, wie wir Musik konsumieren ebenso wie unseren Zugang zu Unterhaltungsinhalten. Er ist nicht nur der weltweit grösste Musik-Einzelhändler, sondern dominiert auch den digitalen Videomarkt.

Seine Apps sind die profitabelsten, auch Bücher und Zeitschriften sind inzwischen erhältlich, und er ist in 119 Ländern erreichbar. In dieser Woche meldete iTunes einen Rekordumsatz von 2,4 Milliarden Dollar für das erste Quartal 2013.

Den Einzelhandel revolutioniert

«Apple revolutionierte den Einzelhandel, indem sie eine wirklich interaktive und sehr nutzerfreundliche Plattform herstellten», sagt Scott Borchetta, Chef von Big Machine Records. «Sie machten es sehr einfach, Musik digital zu kaufen, und deshalb gelangten sie in diesem Bereich so rasch an die Spitze und dominieren den Bereich weiterhin.»

Zum zehnten Jahrestag am Sonntag stellt sich nun die Frage, ob diese Vorherrschaft andauern wird - immerhin ist mit Abodiensten wie Spotify oder anderen Anbietern wie Amazon.com, Netflix oder Hulu Konkurrenz erwachsen. Berichte, wonach Apple mit einem Radio- oder anderen Dienst gegen Spotify antreten will, wollte Eddy Cue, Apples Vizepräsident für Internet-Software und -Dienste, nicht kommentieren.

Zwei Jahre nach dem iPod

iTunes kam zwei Jahre nach dem iPod auf den Markt und war zunächst nur für Mac-Nutzer erhältlich. Standen anfangs lediglich 200'000 Songs zur Auswahl, sind es inzwischen Dutzende Millionen. Die Musikindustrie hatte damals zwar mit Umsatzeinbrüchen wegen illegaler Downloads zu kämpfen, reagierte aber dennoch skeptisch.

Apple-Mitgründer Steve Jobs legte den Höchstpreis auf seinerzeit 99 Cent pro Titel fest und gab den Hörern mehr Freiheiten, was Übertragbarkeit und Eigentumsrechte angeht. «Wir konnten die Plattenlabel davon überzeugen, das wir einen Geschäftsvorschlag haben, der für sie langfristig besser wäre», sagt Cue, der an der Entwicklung von iTunes massgeblich beteiligt war.

«Wir mussten sie alle kriegen»

«Unsere Botschaft an sie war, dass man die Piraterie nicht mit Klagen oder Fernsehwerbung schlagen kann, sondern nur, indem man tatsächlich anbietet, was auch durch Piraterie erhältlich war, und dass die Leute dann tatsächlich dafür zahlen würden», sagt Cue. «Wir mussten sie alle dazu kriegen, zuzustimmen.» Nicht alle in der Branche waren begeistert darüber, Jobs' Bedingungen folgen zu müssen.

Insgesamt steigt der digitale Absatz von Musiktiteln, die Zahl verkaufter Alben ist jedoch ebenso wie der Gewinn in der Branche in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. «iTunes wurde zu einem echten Barometer dessen, was gut und beliebt ist», sagt Labelgründer McDonald.

Die Sängerin und Schauspielerin Jennifer Lopez sagt, iTunes habe die Musikindustrie völlig verändert. Jetzt hätten die Konsumenten die Macht, nicht mehr die Plattenfirmen. Für Künstler habe das Vor- und Nachteile. «Wir sind in einem neuen Zeitalter. Es ist wie bei allem anderen auch. Man muss es akzeptieren.»

Höherer Gegenwert?

Zu Spekulationen über einen Abonnement-Dienst von Apple sagt Cue, Nutzer bevorzugten immer noch das iTunes-Modell. Ein Premium-Abonnement koste 120 Dollar pro Jahr. Das sei mehr, als der durchschnittliche Musikkunde ausgebe. Wenn der Kunde dagegen einen Titel kaufe, besitze er ihn. «Bei einem Abonnement-Modell zahlst du lebenslang monatlich zehn Dollar oder mehr.» Wer eine Musiksammlung anlegen wolle und einige Dollar für ein Album zahle, erhalte einen höheren Gegenwert als beim Abonnement.

McDonald dagegen glaubt, dass Abo-Dienste künftig zum Standard würden. «Für die jüngeren Generationen, und ganz sicher die zukünftigen, ist die Vorstellung von Besitz, so wie wir darüber dachten, irrelevant. Sie konsumieren einfach Inhalte, und das ist nicht besser oder schlechter. In dieser Hinsicht werden Abo-Modelle sinnvoller sein.»

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