«Wo bin ich?»Google lanciert «Indoor Maps» in der Schweiz
Android-Smartphones bieten neu Orientierungshilfe in Schweizer Gebäuden. 20 Minuten Online hat die innovative Google-Maps-Funktion im grössten Einkaufszentrum des Landes getestet.
Männer fragen nicht gern nach dem Weg: So lautet ein gängiges Vorurteil, das sich im Alltag immer wieder bestätigt. Nun erhält das starke Geschlecht Schützenhilfe von Google. Wer ein Android-Smartphone besitzt, kann sich neu mit Google Maps auch im Innern von öffentlichen Gebäuden orientieren.
Was seit Ende 2011 in den USA und Japan verfügbar ist, gibt es ab sofort auch hierzulande. Die Schweiz kommt als erstes europäisches Land in den Genuss einer Funktion, die als «Indoor Maps» bezeichnet wird. Das neue Feature ist kostenlos in der aktuellsten Version der Google-Maps-App für Android enthalten – das Update erfolgt in der Regel automatisch.
Auf lokale Unterstützung angewiesen
Damit Google Maps die detaillierten Gebäudepläne anzeigen kann, ist der US-Konzern auf lokale Unterstützung angewiesen. Einkaufszentren, Museen und öffentliche Institutionen können ihre Gebäudepläne in allen gängigen Bildformaten gratis auf die Google-Server hochladen und sie mit den entsprechenden Geoinformationen (Standort etc.) verknüpfen.
Zu den ersten Google-Partnern gehören das Stade de Suisse in Bern, das Einkaufszentrum Airport Center am Flughafen Zürich sowie Media Markt. «Wir freuen uns, als erster Detailhändler in der Schweiz unseren Kunden diese innovative Dienstleistung anbieten zu können», sagt der CEO der Media-Saturn-Gruppe Schweiz, Karsten Sommer. Vorläufig ist die Indoor-Maps-Funktion in den Filialen Dietikon, Dietlikon und Sihl City (Zürich) verfügbar. Die anderen 18 Media-Markt-Filialen sollen «in den nächsten Monaten» folgen.
Exklusiv getestet
20 Minuten Online konnte die neue Indoor-Maps-Funktion im Einkaufszentrum Sihl City vorab exklusiv testen. Der erste Eindruck ist positiv: Beim Anzeigen der Karte und beim Heranzoomen eines Gebäudes mit verfügbaren Innenraum-Daten wird automatisch ein Übersichtsplan angezeigt. Der altbekannte blaue Punkt beziehungsweise Kreis zeigt den eigenen Standort auf wenige Meter genau an. Und wenn man die Etage wechselt, aktualisiert sich die Oberfläche automatisch.
Das Ganze funktioniert ohne GPS-Ortung, in dem der Standort des Android-Smartphones mithilfe der bestehenden WLAN-Anlagen im Gebäude bestimmt wird. Wie das im Detail funktioniert, erklärt ein Google-Video (siehe oben), das nur auf Englisch verfügbar ist.
Navigations-Hilfe folgt
Sobald man den Media Markt betritt, wird der Grundriss des Verkaufslokals angezeigt. Darauf sind die diversen Produkte-Kategorien wie Fernseher oder Filme zu sehen. Dank Indoor-Plan kommt man ohne Umwege zum gewünschten Produkt. Was fehlt, ist die von Google Maps bekannte Navigationsfunktion. Man kann sich nicht von einer netten Computer-Stimme zum gesuchten Ort lotsen lassen. Noch nicht. Wie Rolf Marti von Google Schweiz gegenüber 20 Minuten Online erklärt, soll die Navigations-Hilfe «bald» zur Verfügung stehen – wann genau, wird nicht verraten.
Auch fürs iPhone?
Ob und wann die Google-Maps-Funktion auch auf dem iPhone erhältlich sein wird, ist offen. Google lässt sich nicht in die Karten blicken.
Für Google-Partner wie den Media Markt ist das Erstellen der «Indoor Maps» gratis. Im alltäglichen Betrieb ist mit einem gewissen Aufwand zu rechnen. Einerseits gilt es auf der sogenannten «Place Page» alle wichtigen Informationen für die Besucher zur Verfügung zu stellen. Die Google-Maps-Nutzer können mit ihrem Smartphone Bewertungen und Kommentare abgeben und auch Fotos von der jeweiligen Lokalität veröffentlichen. Darum ist andererseits auch eine gewisse Überwachung und Moderation der Nutzeraktivitäten erforderlich. Google stellt sich dabei auf den Standpunkt, dass dies die Aufgabe der Partner-Unternehmen sei.
Eine Liste aller bei Google Maps verfügbaren Indoor-Karten ist auf der Google-Website abrufbar. Die Liste wird fortlaufend ergänzt und aktualisiert.
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