Handy-Spiel für JungeKampfzone Fussgängerstreifen
Mit einem Gratis-Spiel fürs iPhone und iPad wollen Fachleute die Sicherheit auf den Schweizer Strassen erhöhen. Wir haben «Meet the Street» ausprobiert.
Im Gegensatz zum berühmt-berüchtigten Computerspiel «Grand Theft Auto» dürfen Fussgänger bei «Meet the Street» nicht rücksichtslos überfahren werden. Im Gegenteil: Mit dem neuen iPhone-Spiel will der Fachverband Fussverkehr Schweiz zu mehr Sicherheit im Strassenverkehr beitragen. Die kostenlose App, die auch fürs iPad erhältlich ist, soll auf spielerische Art die wichtigsten Verkehrsregeln vermitteln.
Das Spielprinzip von «Meet the Street» (iTunes-Link) ist nicht neu: Man schlüpft gleichzeitig in die Rolle von Passanten und Fahrzeuglenkern und muss in Echtzeit entscheiden, wer im Verkehrsgetümmel jeweils Vortritt hat. Punkte sammelt, wer Zusammenstösse vermeidet und Fussgänger sicher ans Ziel geleitet.
Stürzende Senioren
Los gehts in Hinterpfupfingen, wo laut Intro «die Hölle los ist». Dieses Versprechen wird beim ersten Anspielen nicht eingehalten. Gemächlich schlendern die Passanten auf den Fussgängerstreifen zu. Nun gilt es die Verkehrsteilnehmer mit dem Finger anzutippen, um sie zu bremsen oder flott voranzutreiben. Das Geschehen wird aus der Vogelperspektive gesteuert.
Während des Spiels müssen die unterschiedlichen Bremswege von Traktoren, Lastwagen oder Trams sowie das Verhalten von Fussgängern realistisch eingeschätzt werden. Dabei werde auf spielerische Weise sicheres Verhalten im Strassenverkehr gefördert, schreibt Fussverkehr Schweiz in der Medienmitteilung. Allerdings können beim Spielen auch die Fussgänger durch Anstupsen beschleunigt, also quasi über die Strasse «genötigt» werden. Ob dies im Sinne der Verkehrssicherheit ist, muss bezweifelt werden. Immerhin lassen sich die Senioren nicht auf Teufel komm raus antreiben. Wenn es zu schnell geht, fallen die am Stock laufenden Spielfiguren hin...
Tödliche Unfälle
Die Zürcher Kreativagentur Feinheit hat das Game technisch gut umgesetzt, der Spielspass wird jeweils von rechtlichen, respektive erzieherischen Fragen zu verschiedenen Verkehrssituationen unterbrochen. Wer richtig antwortet, wird belohnt.
«Meet the Street» hat einen ernsten Hintergrund: Während die Zahl der schweren Verkehrsunfälle in den vergangenen zehn Jahren gesunken ist, verunfallen in der Schweiz jährlich durchschnittlich 2500 Fussgänger, wie der Fachverband der Fussgänger am Donnerstag mitteilte. Jeder vierte Verkehrstote sei heute ein Fussgänger.
Fussverkehr Schweiz ist überzeugt, dass sich viele dieser Unfälle vermeiden liessen. Besonders gefährdet seien Jugendliche und junge Erwachsene. Sie seien überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt, mit konventionellen Kampagnen jedoch nur schwer zu erreichen.
Mit «Meet the Street» setzt Fussgänger Schweiz laut eigenen Angaben als eine der ersten Nichtregierungs-Organisationen (NGO) in der Schweiz voll auf «Gamification». Dahinter stecke die Idee, Videospiele für Aufklärungskampagnen zu nutzen. Der Spass-Faktor schaffe die nötige Aufmerksamkeit, um gezielt Inhalte zu verbreiten, heisst es. (dsc/sda)
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