AngespieltIst die Wii U mehr als bloss Kinderkram?
20 Minuten Online hat Nintendos «revolutionäre» Wii U ausprobiert. Hält die Gamekonsole, was sie verspricht? Schliesslich soll sie auch erwachsenen Hardcore-Gamern Spass machen.
Neu können Spiele mit der Wii U auf dem TV oder Tablet-Controller gespielt werden (siehe Bildstrecke). Die Ernüchterung war trotzdem gross unter den Nintendo-Fans nach der Pressekonferenz des Gameriesen. Grosses hatte man von Nintendo für die neue Wii U erwartet – und kaum etwas erhalten. Weder wurde ein Knüller für das mit Spannung erwartete Gerät enthüllt, noch wurden ein Datum zum Verkaufsstart oder ein Preis genannt. Viele der vorgestellten Spiele sind auf anderen Konsolen bereits veröffentlicht worden, grosse Nintendo-Titel wie «The Legend of Zelda» fehlten.
Meine grosse Enttäuschung sollte allerdings erst am Abend folgen. Weil Nintendo während der Wii-U-Präsentation kaum handfeste News lieferte, erhofften sich die Journalisten mehr Infos von Shigeru Miyamoto. Der Game-Guru hatte zu einem exklusiven Round-Table-Gespräch am Abend gebeten, zu dem auch ich eingeladen war. Selten wurde ich – und die geschätzten 200 (!) weiteren Anwesenden – dermassen enttäuscht. Der Schöpfer von «Super Mario» und «Zelda» verriet nämlich null und nichts zur Wii U, sondern liess nur Plattitüden zum Partygame «Nintendo Land» und «Super Mario Bros. U» vom Stapel. Wer auf mehr Fleisch am Knochen aus war, verhungerte am ausgestreckten Arm.
Wii-U-Pad: besser als befürchtet
Aber genug der Nörgelei. Nicht alles, was Nintendo präsentierte, war Schatten: Dass die Wii U den akrobatischen Akt zwischen Game-Maschine für Hardcore-Zocker und Partykonsole schaffen könnte, zeigt ein Versuch vor Ort. Der Tablet-Controller liegt besser in der Hand als der Prototyp vor einem Jahr (siehe Bildstrecke). Vor allem die neu gestaltete Rückseite gibt einen besseren Halt. Muss der Spieler das Tablet allerdings in nur einer Hand halten und mit der anderen den Touchscreen bedienen, ermüdet die haltende Hand schnell.
Am meisten Freude bereitet das Gamepad im Multiplayer-Modus: Ein Spiel wie «Rayman Legends», bei dem der eine Spieler Rayman auf herkömmliche Weise steuert, während der zweite Spieler mit dem Wii-U-Pad Hindernisse aus dem Weg räumt, zeigt, dass mit dem Tablet durchaus neue, innovative Spielformen möglich sind. Auf ein ähnliches Prinzip setzt «Super Mario Bros. U»: Auch hier können zwei Spieler in einer Art Co-op-Modus die Level gemeinsam meistern.
Das Wii-U-Gamepad im Video
Quelle: YouTube/Nintendo
Gut funktioniert auch das Actiongame «ZombieU». Der Spieler nutzt hier das Pad einerseits als Kartenanzeige, kann es aber bei einigen Waffen auch als Zielvorrichtung verwenden. Zum Einsatz kann das Wii-U-Pad auch als Hackingtool, als Inventarliste oder als Scanner dienen. Für Hardcore-Gamer hat Nintendo zudem ein klassisches Gamepad im Stil des Xbox-360-Gamepads im Angebot. Wichtig zudem: Die Steuergeräte und Games der alten Wii sind zur Wii U kompatibel.
Mit Horror-Games wie «ZombiU» Core-Gamer angeln
Quelle: YouTube
Vom Kinder- bis zum Action-Game
Die Medienkonferenz der Japaner am Dienstagmorgen in Los Angeles war deutlich sympathischer als die Events der Konkurrenz. Zwar hatte auch ich mehr Infos zu Wii U und neuen Spielen erwartet; im Gegensatz zu den anderen Medienkonferenzen war jene von Nintendo aber auf erfrischende Weise unblutig ausgefallen.
Allerdings versucht auch der familienfreundliche Konzern mit der Wii U verstärkt Hardcore-Zocker an Bord zu holen. Aufgelesen werden sollen sie mit Action-Spielen wie «ZombiU», «Mass Effect 3», «Batman: Arkham City», «Tekken Tag Tournament 2» und dem ungewöhnlich blutigen «Ninja Gaiden 3: Razor's Edge» - ungewöhnlich deshalb, weil auf den Nintendo-Geräten normalerweise nicht so viel Blut zu sehen ist.
Wii-U-Games im Überblick
Quelle: YouTube
Schwieriger Spagat
Mit der Wii U soll eine ähnliche Bandbreite von Konsumenten wie mit der Wii angesprochen werden - Spieler im Alter zwischen 5 und 95 Jahren. Nintendo kann es sich deshalb nicht erlauben, die vielen Eltern von spielenden Kids zu vergraulen, die eine Wii eben gerade aus dem Grund gekauft haben, weil brutale Gewaltspiele rar sind. Der Spagat, den Nintendo mit der stärkeren Fokussierung auf Hardcore-Gamer machen will, wird schwierig.
Gelingen soll er dank Minispielesammlungen wie «Nintendo Land», wuseligen Abenteuern wie «Pikmin 3», dem Jump'n'Run-Futter «Super Mario Bros. U», dem Singspiel «SiNG» sowie einem überraschend charmanten «Lego City» - einem Open-World-Spiel à la «GTA», einfach ohne die Gewalt.
Alle Infos zu den neuen Spielen für die Wii U, Playstation 3 und Xbox 360 lesen Sie im News-Ticker.
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