Nackte Tatsachen in Videospielen

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Mehr Sex in GamesNackte Tatsachen in Videospielen

Sexspiele sind tot, lang leben Spiele mit Sex. Während die Pornoindustrie im Spieluniversum nicht vom Fleck kommt, wird nun ganz offiziell in Blockbustertiteln für Erwachsene kopuliert.

Jan Graber
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Jan Graber

Seit die Menschen denken und kritzeln können, hat die Darstellung von Sex eine immense Faszination ausgeübt. Für jedes neue Medium – egal ob Buch, Comic, Videofilm oder Internet – sind eigene, mehr oder weniger versteckte Nischen entstanden, die sich dem schlüpfrigen Thema widmen. Da expliziter Sex in den meisten Gesellschaften jedoch tabuisiert ist, findet der Handel vorwiegend im Geheimen statt.

Ein Aufschrei geht durchs Land

Eine der ersten expliziten Sexszenen wurde bereits 1982 im Spiel «Custer's Revenge» gezeigt. Das Spiel stellte den Gamern die Aufgabe, General Custer zu einer barbusigen Indianerin zu bringen, um sie Geschlechtsverkehr haben zu lassen. Das für die Konsole Atari 2600 erschienene Spiel, stellte die Szene dermassen verpixelt dar, dass eine Menge Fantasie im Spiel sein musste, um sich die Szene vor Augen zu führen. Trotzdem führte das Spiel zu einem ersten Aufschrei.

Dieser hat sich mittlerweile mehrfach wiederholt – sei es, weil von der «Tomb Raider»-Heldin Lara Croft Nacktbilder auftauchten oder in das Action-Adventurespiel «Grand Theft Auto: San Andreas» ein explizites Sex-Minispiel eingebaut wurde. Seit «Custer's Revenge» und «Leisure Suite Larry in the Land of the Lounge Lizard» war Sex in Games immer wieder ein Thema.

Der Schattenmarkt

Wie in der Film-Industrie wurde Sex in Videospielen denn auch zunehmend in die Schmuddelecke und in den Untergrund verdrängt. Nicht zuletzt wegen den grossen Spielevertreibern und Konsolenherstellern: Sie verweigerten es der Pornoindustrie schlicht, ihre Inhalte auf die Spielgeräte zu bringen. Auf eine Finanzierung der Spiele durch die grossen Publisher konnten Hersteller von Sexspielen ebenfalls nicht zählen. Zu gross ist die Angst, sich in einer Branche, die vor allem auch Inhalte für Kinder herstellt, die Finger zu verbrennen. Online-Verkaufsplattformen wie Steam, Amazon oder Apples App Store bieten explizit keine Videospielinhalte an, die an Tabus rühren.

Doch «Sex sells» und die Sexindustrie schuf sich kurzerhand einen Schattenmarkt, zunächst sogar unter Beteiligung namhafter Publisher. Von den deutschen Vertrieben Rondomedia, Astragon und CDV wurden zum Beispiel Games wie «Erotic Empire», «Rotlicht Tycoon», «7 Sins», das ziemlich erfolgreiche «Biing» und die «Wet»-Serie veröffentlicht. Zudem kamen aus Japan die sogenannten Hentai-Spiele: Games im comicähnlichen Manga- und Animes-Stil, deren Merkmal mehr oder weniger explizit dargestellter Sex war. Von den offiziellen Videogame-Charts wurden die Titel indessen nicht erfasst.

Wenig Standvermögen

Anders als im Film-Markt kam es für Sexgames im Videospieluniversum aber bildlich gesprochen zu Erektionsschwierigkeiten. Rondomedia hat sich ebenso wie Astragon aus dem Geschäft zurückgezogen, CDV hat letztes Jahr Insolvenz angemeldet. «Ich persönlich halte das Genre für tot und begraben», sagt zum Beispiel Felix Buschbaum, der sich um die PR von Rondomedia und Astragon kümmert. Die Titel würden sich einfach nicht mehr verkaufen, sagt er. Einen besseren Stand scheinen Pornospiele im prüden Amerika zu haben, wo sich ein Alternativmarkt mit Spielen wie «Naughty America», «Virtually Jenna» und weiteren Erzeugnissen aus der Schmuddelecke entwickelt hat.

Sex in Games für die Masse ist indessen alles andere als tot – im Gegenteil: Zunehmend halten explizite Sexszenen Einzug in Spiele, die millionenfach ans traditionelle Publikum verkauft werden (siehe obige Bildstrecke). So werden zum Beispiel in der populären Spielreihe «God of War» für die PlayStation 3 unzensurierte Nacktszenen gezeigt. Für den eigentlichen Geschlechtsakt, der vom Spieler mittels Drücken von Buttons gesteuert werden kann, schwenkt die Kamera allerdings auf die hüpfende Vase neben dem Bett.

Vom Ansatz zum Vorspiel

Ebenfalls explizit wird Sex in den Games des französischen Entwicklers Quantic Dream gezeigt: Während sich die Entwickler im Erstling «Fahrenheit» noch zurückhielten und Nacktheit nur im Ansatz gezeigt wurde, können Spieler in «Heavy Rain» das Vorspiel des Akts weitgehend selbst steuern. Auch in «Mass Effect 2» von Bioware ist Sexualität ein natürlicher Bestandteil. Als zusätzliches, aber nicht spielrelevantes virtuelles Vergnügen dient der Sex im Spiel «The Witcher 2».

Allen Spielen gemeinsam ist, dass sie sich an ein vorwiegend erwachsenes Publikum wenden. Die amerikanische Entertainment Software Association ESA hat ausgerechnet, dass 2011 das durchschnittliche Alter von Spielern 37 Jahre betrug. Während in Filmen Sex- und Liebesszenen mittlerweile zum Alltag gehören, dürften sie deshalb auch zunehmend in Videospielen Einzug halten.

«Custer's Revenge»

Quelle: YouTube

Jan Graber…

… verschob die ersten Gamepixel mit «Space Invaders», «Leisure Suit Larry» sowie «King’s Quest» und entdeckte mit «System Shock» und «Rebel Assault» sein Flair für Actiongames. Heute gibt er sich am liebsten mit Krachern wie «Crysis», intelligentem Futter im Stil von «Fahrenheit und Gummischreddern à la «Forza Motorsport» ab.

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