Sind die Backofen-Uhren Vorboten eines Blackouts?

Aktualisiert

Falsch gehende UhrenSind die Backofen-Uhren Vorboten eines Blackouts?

Diverse Uhren laufen europaweit nicht mehr genau. Der Grund: die zu niedrige Frequenz auf dem Stromnetz. Sinkt sie weiter, könnten wir bald im Dunkeln sitzen.

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Was passiert, wenn die Energiezufuhr ins Wanken gerät? Wird mehr Energie benötigt, als zur Verfügung steht, so entsteht ein Ungleichgewicht. Wenn dieses nicht ausgeglichen wird, müssen irgendwann Teilgebiete vom Stromnetz ausgeschlossen werden, um einen europaweiten Blackout zu vermeiden.
Heute verbrauchen Schweizer Haushalte 33% der in der Schweiz verbrauchten Elektrizität. Oftmals wird dabei die Tatsache vergessen, wie sehr unser Leben von Strom abhängig ist: Wir kühlen Lebensmittel, kochen, heizen, machen Licht, fernsehen, benutzen das Internet oder waschen uns mit warmem Wasser.
Wie kommt der Strom in die Steckdosen unserer Haushalte? Und woher kommt er? Swissgrid betreibt das Schweizer Übertragungsnetz und sichert den Transport von Energie über weite Entfernungen.
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Was passiert, wenn die Energiezufuhr ins Wanken gerät? Wird mehr Energie benötigt, als zur Verfügung steht, so entsteht ein Ungleichgewicht. Wenn dieses nicht ausgeglichen wird, müssen irgendwann Teilgebiete vom Stromnetz ausgeschlossen werden, um einen europaweiten Blackout zu vermeiden.

Keystone/Walter Bieri

Seit ein paar Wochen gehen diverse Uhren bis zu sechs Minuten nach. Betroffen sind beispielsweise die Zeitanzeigen von Mikrowellen, Backöfen oder Weckern in ganz Europa. Diese Geräte hängen am Stromnetz und beziehen daraus die Sekunden-Impulse.

Damit die Uhren richtig laufen, wird eine konstante Frequenz von 50 Hertz benötigt. Um diesen Wert stabil zu halten, muss ein Gleichgewicht zwischen der Produktion und dem Verbrauch von Strom vorliegen.

Zu wenig Energie in Europa

Doch nun besteht seit Mitte Januar ein Ungleichgewicht. Es wird mehr Strom benötigt, als bereitgestellt wird. Das führt zu einer sinkenden Netzfrequenz und damit zu fehlerhaften Zeitanzeigen. Normalerweise werden Werte unter 50 Hertz mit einer höheren Energiezufuhr ausgeglichen. Das ist aber nicht passiert.

Der Ursprung der anhaltenden Frequenzabweichung liegt in Serbien und dem Kosovo. Laut dem Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E) wird deshalb dringend eine politische Lösung für das Problem gesucht.

Konsequenzen bei sinkenden Werten

Tatsächlich ist ein Handeln nötig: Denn damit das System ordnungsgemäss funktionieren kann, darf die Frequenz nicht unter 47,6 Hertz fallen, sonst droht ein europaweiter Blackout. Die durchschnittliche Netzfrequenz seit Januar betrug 49,996 Hertz. Wird keine Lösung gefunden, droht der Wert weiter zu sinken. «Irgendwann kann die Energiemenge das Netz nicht mehr decken und im schlimmsten Fall müssen Lasten abgeworfen werden», erklärt Heinz Stacher von der Marktüberwachung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats ESTI.

Mit Lastenabwurf sind Notmassnahmen gemeint. «Anstatt auf den totalen Blackout zu warten, wird vor Erreichen des kritischen Werts in einzelnen Teilen Europas der Strom abgestellt», so Christian Schaffner, Direktor des Energy Science Center der ETH Zürich. Das kann von einzelnen Dörfern über Städte bis hin zu ganzen Regionen sein. Laut Swissgrid, dem Betreiber des Schweizer Übertragungsnetzes, steht der erste Lastenabwurf an, sobald die Netzfrequenz insgesamt unter 49 Hertz fällt.

Realistisches Szenario für die Schweiz?

Die Wahrscheinlichkeit eines europaweiten Blackouts sei aber sehr gering. «Momentan ist genügend Kapazität vorhanden. Die aktuelle Frequenzabweichung kann sehr gut ausgeglichen werden», erklärt Schaffner. Auch gäbe es immer wieder Herausforderungen wie extreme Kälte oder Hitze, diese würden aber keine ernsthafte Gefahr darstellen.

Auch Patrick Mauron von der Swissgrid-Medienstelle bestätigt, dass das aktuelle Phänomen kein Vorbote eines Blackouts sei: «Es ist auch nicht der Fall, dass Europa über zu wenig Energie verfügt. Es kann sein, dass einzelnen Regionen nicht die volle Menge an Strom zur Verfügung steht. Von einer Knappheit kann aber nicht die Rede sein.»

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