Verbot von Killerspielen bringt keine Lösung

Aktualisiert

Bundesrat soll handelnVerbot von Killerspielen bringt keine Lösung

Der Bundesrat soll sich der Killerspiele annehmen, findet die ständerätliche Rechtskommission. Doch unklar ist, welche Massnahmen sinnvoll sind. Ein absolutes Verbot löst das Problem jedoch nicht.

Lukas Mäder
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Lukas Mäder

Das Parlament sieht Handlungsbedarf bei den sogenannten Killerspielen. Die ständerätliche Rechtskommission hat zwei Motionen überwiesen, von denen eine das absolute Verbot von Computerspielen mit grausamen Gewalttätigkeiten gegen Menschen fordert (20 Minuten Online berichtete). Doch so radikal wollen selbst die vorberatenden Ständeräte nicht sein. «Die Rechtskommission ist grundsätzlich der Meinung, dass ein Handlungsbedarf besteht», sagt Kommissionspräsident und Thurgauer SVP-Ständerat Hermann Bürgi. Deshalb solle sich der Bundesrat des Themas annehmen.

Verbot alleine reicht nicht

Wie das Gesetz schliesslich aussehen wird, sei noch offen: «Es sind noch viele Fragen ungeklärt, insbesondere inwieweit ein Verbot für Erwachsene überhaupt umgesetzt werden kann», sagt Bürgi. Deshalb müsse der Bundesrat auch prüfen, ob eine gesetzliche Lösung überhaupt praktikabel und durchsetzbar ist. «Die Vorstellung ist illusorisch, dass man das Problem alleine mit einem Verbot völlig in den Griff bekommt», sagt Bürgi und verweist auf das Internet, von wo auch bei einem Verbot Killerspiele heruntergeladen werden können. Bürgi denkt deshalb besonders auch an Aufklärung und präventive Massnahmen.

Die zweite überwiesene Motion von CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener (BE) geht bedeutend weniger weit: Sie verlangt wirksame Massnahmen gegen den Verkauf von Killerspielen an Kinder und Jugendliche. Bereits heute gibt es die europaweite PEGI-Altersangabe, die jedoch für die Verkaufsgeschäfte nicht bindend ist. Ein Verkaufsverbot für Kinder und Jugendliche dürfte auf breite Akzeptanz stossen. Selbst GameRights, die Vereinigung der Computerspieler, befürwortet ein solches Verbot: «Da sich die Motion Hochreutener auf das europäische Pegi-System abstützt, finden wir sie unterstützenswert», sagt Präsident Thomas Riediker, der vom Entscheid der Rechtskommission nicht überrascht ist.

Information der Eltern würde helfen

Die Hauptforderung von GameRights ist jedoch, die Medienkompetenz der Eltern zu fördern. «Wüssten die Eltern, was ihre Kinder auf dem Computer machen, bräuchte es kein Verbot», sagt Riediker. Viele Eltern wüssten gar nicht, dass es in heutigen Computerspielen eine Handlung und eine Dramaturgie gebe. Deshalb hat GameRights bereits in der Vorweihnachtszeit einen Einkaufsführer für Computerspiele herausgegeben – zusammen mit der Stiftung Kinderschutz Schweiz. Doch Riediker ist nicht besonders optimistisch im Hinblick auf die parlamentarische Beratung eines Killergame-Verbots: «Die Gamer haben in der Schweiz keine politische Lobby», sagt er. An den Nutzen eines absoluten Verbots glaubt Riediker nicht: «Die Computerspiele würden für Jugendliche vielmehr noch mystifiziert.» Und die erwachsenen Computerspieler hätten zu leiden: «Das Parlament würde Zehntausende, vielleicht sogar Hunderttausende von Gamern in der Schweiz kriminalisieren.»

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