«Codex Copiale»Forscher knacken uralten Geheimcode
Die Rituale einer einstigen deutschen Geheimgesellschaft sind nicht mehr länger geheim. Ein mysteriöses Manuskript ist mithilfe eines neuen Computerprogramms entschlüsselt worden.

Auszug aus dem handgeschriebenen 105-seitigen Buch, das einen Text aus Symbolen und lateinischer Schrift enthält.
Wissenschaftler aus Kalifornien und Schweden haben das Geheimnis eines 250 Jahre alten Schriftstücks gelöst. Das Dokument wurde im 18. Jahrhundert von einer deutschen Geheimgesellschaft verschlüsselt. Zahlreiche Forscher haben seither ihr Glück versucht. Doch der verwendete Code war offenbar so raffiniert, dass er erst mithilfe moderner Technik geknackt werden konnte.
Das handgeschriebene 105-seitige Buch enthält eine mysteriöse Mischung aus Symbolen sowie griechischer und lateinischer Schrift. Der sogenannte Codex Copiale wurde zunächst mit einem Computerprogramm analysiert, das die Häufigkeit und die Gruppierung einzelner Symbole und Buchstaben erfasst und dann mit den bekannten Sprachen vergleicht. Die meisten automatischen Übersetzungsprogramme benutzen diese Methode.
Die Forscher konzentrierten sich zunächst auf die Buchstaben und verglichen sie mit 80 Sprachen. «Das hat ziemlich lange gedauert und überhaupt nichts gebracht», sagt Kevin Knight von der Universität von Südkalifornien. Er und sein Team erkannten, dass die Botschaft in den Symbolen liegt. Die lateinischen Buchstaben waren lediglich Platzhalter und sollten die Leser verwirren.
Die eingescannten Original-Seiten können auf der Projekt-Website der Forscherteams betrachtet werden. Dort findet sich auch die «Übersetzung» des Geheimcodes auf Deutsch und Englisch.
Rituale und Augenchirurgie
Der Text beschreibt Rituale von Geheimgesellschaften im Umfeld der vielen Freimaurerlogen, die sich im 18. Jahrhundert in Europa bildeten. Knight erklärt den wissenschaftlichen Wert des Textes: «Viele Historiker glauben, dass die Logen eine wichtige Rolle in Revolutionen gespielt haben, aber das muss alles noch erforscht werden, weil die meisten Texte zu diesem Thema verschlüsselt sind.» Ein weiterer Schwerpunkt des Codex Copiale sind Augenheilkunde und Augenchirurgie. Offenbar seien die Mitglieder des Geheimbundes aber keine Augenärzte gewesen, heisst es.
Das Manuskript war nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall der Berliner Mauer in einem DDR-Archiv entdeckt worden. Heute befindet sich das wertvolle Stück in Privatbesitz. (dsc/dapd)
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