Das «DSDS»-Siegerlied nach Schema F

Aktualisiert

«Don't Think About Me»Das «DSDS»-Siegerlied nach Schema F

Dieselbe Akkordabfolge, identische Tonart: Die «DSDS»-Siegersongs gleichen sich aufs Haar. Lucas «Don't Think About Me» ist aber der Gipfel der Lieblosigkeit in Sachen Musikproduktion.

Lorena Sauter
von
Lorena Sauter

Pietro Lombardi und Luca Hänni ergänzen sich prima. Schnitt: Mathieu Gilliand

Für Luca Hänni gehts Schlag auf Schlag: Nach seinem Sieg vom Samstag flog der «Superstar» einen Tag später gleich nach Dänemark, um das Video zu seiner Single «Don't Think About Me» zu drehen. Einen weiteren Tag nahm sich die Plattenfirma für die Studioaufnahmen Zeit. Einen ganzen Tag. Für ein ganzes Album notabene.

Was Fliessbandarbeit gleicht, ist für Luca bittere Realität. Während der 17-jährige Neuling von einer seriösen Musikkarriere träumt, ist das Ziel der Produzenten die blosse Geldmacherei. Den Erfolg nutzen, solange Luca noch in aller Munde ist.

Schnelligkeit ist hier die Devise. Das Traurige daran: Man siehts dem Ergebnis an. «Hinter dem Clip steht immer dasselbe Konzept. Die Produzenten bedienten sich typischer Klischées. Der Clip ist schlecht», so das harte Urteil von 20-Minuten-Online-Videojournalist Mathieu Gilliand. Das Video weise sogar Schnittfehler auf. Bei Minute 3:04 etwa erscheint ein Fehlbild. «Dieser technische Fehler hätte mit wenig Aufwand eliminiert werden können. Ein klares Indiz für das Desinteresse der Produzenten», sagt Gilliand.

Pietro oder Luca? Luca oder Pietro?

Nebst der schlechten Qualität fällt besonders etwas auf: Das Lied, ja sogar der Clip ist praktisch identisch zu den Aufnahmen zu «Call My Name» von Vorjahressieger Pietro Lombardi. Die beiden Songs haben dieselbe Tonart, dieselbe Akkordabfolge und denselben Aufbau.

Selbst die Videos gleichen sich aufs Haar. Gilliand: «Die Clips haben die gleiche Harmonie, den gleichen Verlauf. Die Macher griffen diesmal offensichtlich wieder in dieselbe Trickkiste wie bereits die Jahre zuvor.» Jährlich die gleiche Leier: Gleiche Handbewegungen, gleiche Dramaturgie, gleiche Minik. Einziger Unterschied: Pietros Flugzeuge wurden für Luca durch Strandbuggys ersetzt – und der Clip ist noch schlechter als derjenige von Pietro.

Luca Hänni ist 17 Jahre alt. Er glaubt wohl wirklich an den grossen Durchbruch. Dass die Macher hinter «DSDS» diesen Willen und Ehrgeiz so lieblos nutzen, sei vorhersehbar gewesen, so das Urteil vieler. Wirklich? Kann man von einem Minderjährigen, der über Wochen hinweg als Star gefeiert und gehypt wurde, so viel Realitätsdenken abverlangen?

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