Zero Waste MovementDer Abfall aus einem Jahr passt in ein einziges Glas
In Amerika mausert sich die Zero-Waste-Philosophie langsam zu einem Trend. Die Anhänger produzieren so gut wie keinen Abfall mehr.
Die Johnsons sind Pioniere des Zero-Waste-Movements: Die Familie aus Kalifornien hat mittlerweile keinen Abfalleimer mehr im Haus – sie produziert praktisch keinen Müll.
Vor mittlerweile sechs Jahren hat Bea Johnson die Zero-Waste-Philosophie entdeckt. Seither hat sie ein Buch veröffentlicht, tourt damit durch die Welt und steckt immer mehr Menschen mit ihrer nachhaltigen Einstellung an.
Kompostierbare Zahnbürsten und Fleisch in Glasbehältern
So etwa die Schweizerin Sara Wolf, die in Berlin den Supermarkt OU (Original Unverpackt) eröffnet hat, der auf Einweg-Verpackungen verzichtet. Zero-Waste-Anhänger kaufen keine abgepackten Produkte: Sie bringen selbst Behälter mit und füllen im Laden alles ab – von Mehl über Zahnpasta bis zum Fleisch.
Sara Wolf stellt ihr Zero-Waste-Geschäft in Berlin vor. (Quelle: Youtube / Olga Martinez)
Auch im hippen Brooklyn in New York ist Zero Waste ein Hype. Blogger beschäftigen sich mit der Philosophie, kleine Zero-Waste-Shops schiessen wie Pilze aus dem Boden und die Stadt investiert in Projekte, um Abfall in Energie umzuwandeln.
Eine 23-jährige Bloggerin aus Brooklyn entdeckt Zero Waste. (Quelle: Youtube / Zoomin.TV World News)
Mit Zero Waste zu leben, sei gar nicht so schwierig, sagen Anhänger immer wieder. Sie befolgen fünf Grundregeln mit R: «refuse, reduce, reuse, recycle and rot.» (Dt.: ablehnen, reduzieren, wiederverwenden, rezyklieren, verrotten) Am wichtigsten ist es demnach, auf verpackungsintensive Produkte von Anfang an zu verzichten. Alles andere wird wiederverwertet oder kompostiert. Wer die Philosophie so konsequent wie Bea Johnson durchzieht, stellt etwa Putzmittel selber her, benutzt kompostierbare Zahnbürsten und – dies mag etwas absurd anmuten – sogenannte Menstruationsbecher statt Tampons.
Keine eigenen Behälter bei Migros und Coop
Wie gross der Abfallberg ist, hängt selbstverständlich aber nicht nur vom Konsumenten ab, sondern auch von den Anbietern. Schweizer Detailhändler geben sich Mühe, die Verpackungsmenge systematisch zu reduzieren. «Getreu der Maxime «vermeiden, vermindern, verwerten» setzt die Migros auf vielfältige Lösungen, um die Verpackungen umweltfreundlicher zu gestalten», sagt Migros auf Anfrage von 20 Minuten. «Was viele jedoch nicht wissen: Eine Verpackung trägt in den meisten Fällen nur zu einem verschwindend kleinen Teil zur Umweltbelastung eines Produktes bei.»
Ob man denn in der Migros mit dem eigenen Behälter Fleisch kaufen könnte? «Wir beobachten stets die laufenden Entwicklungen und optimieren konsequent unsere Verpackungen», so der Sprecher. «Zurzeit ist es aber bei der Migros nicht vorgesehen, Fleisch im eigenen Glas- oder Tupperware-Behälter zu kaufen.» Ähnlich klingt es bei der Konkurrenz: «Coop beurteilt dies aus strengen hygienischen Gründen als kritisch. Glasgefässe stellen darüber hinaus wegen Bruchgefahr ein zu hohes Risiko dar», schreibt Coop.
Wer nach Zero-Waste-Prinzipien leben will, ist also auf kleinere Anbieter angewiesen. Sara Wolf will ihr OU-Konzept aus Berlin dieses Jahr auch in die Schweiz bringen. Mit «Bulk» gibt es zudem eine App, die Zero-Waste-Läden in der Nähe vorschlägt.
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