Geschwister BaldenwegSie geben Roger Federer den richtigen Sound
Sie kennen die Geschwister Baldenweg nicht? Und wenn schon. Ihre Musik kennen Sie dafür ziemlich sicher: Aus der Werbung oder aus Kinofilmen.
Sie stehen nicht gern im Mittelpunkt. Ihre Zurückhaltung geht schon mal so weit, dass sie im Abspann von Filmen, für deren Musik sie sich verantwortlich zeichnen, ein Pseudonym benutzen. Aktuell haben die Geschwister Baldenweg die Melodie für «La femme et le TGV» komponiert – das Schweizer Drama könnte am kommenden Sonntag einen Oscar in der Kategorie «Kurzfilm» gewinnen.
Eingespielt hat die Musik ein Orchester in Prag. Für Lionel Baldenweg ein eher aussergewöhnliches Vorgehen: «Es handelt sich um einen Kurzfilm. In solchen Fällen ist oft kein Budget für solche Dinge vorhanden, da diese Art von Filmen meist von jungen Regisseuren produziert wird. Hier musste viel unentgeltlicher Einsatz geleistet werden.» Viel häufiger kommt es vor, dass der Sound am Computer entsteht.
Melodien für Millionen
An «La femme et le TGV» haben die australisch-schweizerischen Doppelbürger – mit Unterbrüchen – rund ein Jahr lang gearbeitet. Mit dem Resultat sind sie sehr zufrieden. «Bei allem, was wir tun, achten wir darauf, dass es aus unserer Sicht perfekt wird. Das gilt natürlich auch für einen Kurzfilm», sagt Schwester Nora.
Obwohl ihr Name den wenigsten geläufig sein dürfte – die Baldenwegs sind seit Jahren im Geschäft. Und kreieren zum einen Werbemelodien für bekannte Marken wie LG, Dove oder Head & Shoulders.
Kurzfilme sind eher die Ausnahme
So stammt denn auch die Musik der Sunrise-Werbung mit Roger Federer aus ihrer Feder, wie Nora Baldenweg erzählt: «Ihn selbst haben wir nie getroffen. Aber eines unserer ersten Projekte war die Musik für den Roger-Federer-Film 2004. Damals erhielten wir ein E-Mail von seinem Management.»
Zum anderen arbeiten die Geschwister derzeit am Sound zu ihrem 18. Langspielfilm. Kurzfilme wie jetzt «La femme et le TGV» seien eher die Ausnahme, betont das Trio.
«Eine Art perfektes Chamäleon»
Diego Baldenweg versucht, den Erfolg zu erklären: «Ein Vorteil unserer Dreier-Konstellation ist, dass wir eine Art perfektes Chamäleon sind. Wir verwandeln uns bei jedem Projekt wieder neu. Für jede neue Musik, die für das entsprechende Vorhaben benötigt wird, können wir uns neu entfalten.»
Bei den Oscar-Verleihungen am Sonntag sind die Baldenwegs nicht live vor Ort. Dafür besuchen sie laut Lionel Baldenweg die offizielle Parallel-Veranstaltung in London. «Es wird aber hoffentlich nicht die letzte Gelegenheit sein, so etwas vor Ort mitzuerleben.»
Der Schweizer Film ist für die Oscars nominiert. Video: BMC Films
Trailer zur «La femme et le TGV» (Quelle: Tamedia).
Die Sunrise-Werbung mit Roger Federer. (Video: Youtube/SunriseSpots)