Highspeed-BahnParis, wir kommen!
SBB und TGV sei Dank: Künftig soll die Stadt der Liebe nochmals schneller erreicht werden. Die SBB lassen sich das 100 Millionen Franken kosten.
SBB und TGV drücken im Zugverkehr zwischen der Schweiz und Paris mächtig auf die Tube. Künftig soll Frankreichs Hauptstadt nicht nur öfters angefahren, sondern nochmals schneller erreicht werden. Dafür investiert die SBB 100 Millionen Franken.
Der Zugtourismus auf kurzen Distanzen boomt. Beispiel Paris: Immer mehr Leute wollen lieber direkt ins Zentrum von Paris fahren, statt mühsam via die Flughäfen zu reisen. Ab Genf machten sich rund 50 Prozent der Personen mit TGV Lyria nach Paris auf. Gesamtschweizerisch ist es jede dritte Person. 2010 betrug das Passagieraufkommen 4 Millionen Personen, davon 2,3 Millionen im internationalen Verkehr an die Seine und zurück. Entsprechend stieg auch der Umsatz der Tochtergesellschaft von SBB und SNCF um 17 Prozent auf rund 340 Millionen Franken
Bahnkunden kommen künftig noch öfter und schneller von Genf und Basel nach Paris. Ab Dezember gibt es täglich 19 Verbindungen zwischen der Schweiz und der französischen Hauptstadt. Die Chefs von SBB und SNCF, Andreas Meyer und Guillaume Pepy unterzeichneten dazu heute einen neuen Kooperationsvertrag mit einer Laufzeit von 12 Jahren. Man wolle den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen der Schweiz und Paris «gezielt weiterentwickeln».
100 Millionen Franken für raschere Züge
Für die Reisenden aus Genf beträgt die Reisezeit auf der neuen Strecke Haut-Bugey bereits drei Stunden und fünf Minuten. Ab Fahrplanwechsel im Dezember wird auch die Strecke ab Basel auf der neu gebauten Strecke Rhin-Rhône 24 Minuten schneller befahren. Damit reduziert sich die Reisezeit auf drei Stunden und drei Minuten.
Auch Zürich, Bern und Lausanne sollen ab 2012 zwischen 15 und 30 Minuten schnellere Verbindungen erhalten. Mittelfristig planen SBB und SNCF die Reisezeit nach eigenen Angaben unter drei Stunden zu drücken und das TGV-Lyria-Netz auf neue Destinationen auszuweiten.
Ohne schnellere Züge und gratis geht das nicht. TGV Lyria erhält eine eigene TGV-Flotte mit 19 Triebfahrzeugen. Andiesen beteiligt sich die SBB mit rund 100 Millionen Franken. Es handelt sich um den Typ TGV POS, der Spitzengeschwindigkeiten von 320 km/h erreicht.
Bahn und Flug etwa gleich teuer
Mit dem neuen Ausbauschritt wird der bahntechnisch besonders interessante Vier-Stundenradius rund um die Schweiz verbessert. In diesem Perimeter liegen Städte und Zentren wie Paris, Lyon, Mailand, München und Stuttgart. Laut SBB sollen bis 2015 die heutigen Reiseangebote innerhalb dieses Gürtels «massgeblich verbessert werden». Insbesondere sollen auch die Personenpotentiale aus dem weiteren Umkreis von acht Stunden – das umfasst Städte wie Hamburg, Wien, Rom oder Barcelona - besser angebunden werden.
Innerhalb des Vier-Stundenradius bietet die Bahn dem Flugzeug klar die Stirne. Das bestätigt auch Ralf Fioretti, Inhaber und Geschäftsführer des Reisportals citytrip.ch. Obwohl im Flugbusiness die Preise nach unten tendierten, habe etwa Easyjet schon vor einiger Zeit die Flüge zwischen Basel und Paris eingestellt. Und auch auf der für Geschäftsreisende bis anhin vom Flugzeug dominierten Strecke zwischen Paris und London habe sich die Situation grundlegend verändert. «Heute ist der Eurostar klar Transportmittel Nummer eins für Business Travellers», sagt Fioretti.
Auch preislich kann die Bahn auf der Strecke Zürich-Paris gegenüber den in den letzten Jahren immer günstigeren Flugpreisen durchaus mithalten. Eine Stichprobe von 20 Minuten Online zeigt: Die Bahnfahrt ins verlängerte Wochenende vom 15. bis 17. April nach Paris kostet derzeit direkt bei TGV Europe gebucht zu optimalen Tageszeiten 350 Franken. Bei Swiss ist derzeit der zeitlich ähnlich gelagerte Flug für 290 Franken, bei Air France für 340 Franken zu haben.