Nuggi-ErsatzSwisscom ködert 6-Jährige mit neuem Handy-Angebot
Die Swisscom bietet ein Prepaid-Angebot für 6-Jährige an. Das sei eindeutig zu früh, kritisieren Experten. Die Swisscom verteidigt sich.

Konsumieren Kinder mit dem Smartphone die falschen Inhalte, können sie "traumatisiert" werden.
Just auf das Weihnachtsgeschäft macht die Swisscom Jagd auf die allerjüngsten Kunden: Ihr Prepaid-Angebot «Natel Easy Start» richtet sich an «alle zwischen 6 und 16 Jahren». Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) aber empfiehlt auf der Website ihres Programmes «Jugend und Medien», Kinder erst ab zwölf Jahren ein Handy zu geben.
Pikant: Die Swisscom trägt das Projekt als Programmpartnerin finanziell mit. «Das ist offensichtlich ein gewisser Widerspruch», wie BSV-Sprecher Urs Keller eingesteht. In Ausnahmefällen könne dies allenfalls Sinn machen.
«Emotional überfordert und traumatisiert»
Experten sehen es aber kritisch, dass die Swisscom 6-Jährige mit einem Handy-Angebot ködert. Joachim Zahn von der Beratungsstelle «Zischtig» kennt Fälle von Erstklässlern, die übers Smartphone auf Porno-Seiten gelandet sind. Die fehlende Kontrolle der Eltern kann fatale Folgen haben, warnt der Psychologe Franz Eidenbenz: «Solche Erlebnisse überfordern Kinder emotional und können sie sogar traumatisieren».
Mehr als jeder zehnte Erstklässler
Laut Zahn zeigt sich ein klarer Trend, dass Smartphone-Nutzer immer jünger werden. An Zürcher Schulen besässen rund 15 Prozent aller Erstklässler bereits ein Handy, was problematisch sei. «Kinder, mit einem Handy gamen zu viel und bewegen sich zu früh auf Social Media-Plattformen», sagt Zahn.
Die Swisscom betont, das Angebot richte sich an die Eltern. Diese müssten entscheiden, in welchem Mass ihr Kind das Handy benutze. Man reagiere lediglich auf ein Bedürfnis und böte Eltern einen Workshop an, bei dem sie für mögliche Gefahren sensibilisiert würden.