Start-up führt Putzfrauen aus der Schwarzarbeit

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Papierkram erledigenStart-up führt Putzfrauen aus der Schwarzarbeit

Auch Putzfrauen haben ein Anrecht auf So­zial­versicherungen. Doch vielen privaten Arbeitgebern ist der Aufwand für eine Anmeldung zu gross. Ein Start-up bietet Abhilfe.

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In vielen Schweizer Haushalten werden Putzfrauen schwarz beschäftigt. Oft scheuen Privatpersonen die Anmeldung ihrer Haushaltshilfen, weil ihnen der Aufwand zu gross ist.
Dabei wäre eine Anmeldung relativ leicht - und wichtig für die Putzfrauen. Hier demonstrieren einige in Bern für bessere Arbeitsbedingungen.
Das Zürcher Start-up Quitt.ch bietet nun seine Hilfe an, um die Arbeitgeberpflichten zu erfüllen.
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In vielen Schweizer Haushalten werden Putzfrauen schwarz beschäftigt. Oft scheuen Privatpersonen die Anmeldung ihrer Haushaltshilfen, weil ihnen der Aufwand zu gross ist.

Keystone/Gaetan Bally

Etwa 400'000 Schweizer Haushalte haben eine Putzfrau oder sonstige Angestellte in ihren Diensten. Oft läuft dabei alles korrekt ab. Doch es gibt auch schwarze Schafe, denn gewisse Haushalte zahlen die gesetzlich vorgeschriebenen Sozialabgaben für ihre Angestellten nicht ein. Dabei handelt es sich bei diesem Vergehen keineswegs um ein Kavaliersdelikt, sind die Putzfrauen so schliesslich bei Unfällen oder Jobverlust nicht versichert.

Ein oft gehörter Grund für die fehlende Entrichtung der Sozialbeiträge ist der administrative Aufwand, den die korrekte Anmeldung für Arbeitgeber mit sich bringt. Die Behörden haben diese zwar vereinfacht, trotzdem sind viele damit offenbar überfordert. Das Start-up Quitt.ch aus Zürich möchte dieses Problem beseitigen helfen. Es bietet eine vollelektronische Anmeldung und Abrechnung von Hausangestellten, sodass Zeitmangel und Bequemlichkeit kein Vorwand für Schwarzarbeit mehr sind.

Start-up übernimmt sämtliche Aufgaben

Privatpersonen, die Putzkräfte im eigenen Haushalt beschäftigen, können mit nur wenigen Klicks auf Quitt.ch ihre administrativen Arbeitgeberpflichten komplett erledigen lassen. Nachdem die Personalien von Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfasst sowie Pensum und Lohn definiert sind, übernimmt das Start-up sämtliche Anmeldungen und Abrechnungen bei Ausgleichskasse (AHV), Versicherungen, und je nachdem auch Pensionskasse und Quellensteuer.

Ausserdem werden von Quitt.ch die nötigen Dokumente generiert. Sie können jederzeit von Arbeitgeber und -nehmer abgerufen werden. Dazu gehört ein unterschriftsbereiter Arbeitsvertrag, eine monatliche Lohnabrechnung, ein Lohnausweis und die Versicherungsbestätigungen.

Aufschlag von 9,2 Prozent

Die Dienstleistung von Quitt.ch ist selbstverständlich nicht kostenlos. Das Magazin «K-Geld» hat an einem Beispiel vorgerechnet, wie viel die Dienste des Start-ups genau kosten. In der Modellrechnung beschäftigt ein Zürcher Haushalt eine Putzfrau jeden Monat für acht Stunden zu 25 Franken pro Stunde. Die Angestellte verdient pro Jahr 2400 Franken brutto. Auf diesen Betrag werden Sozialversicherungs- und Verwaltungskosten von 191.20 Franken fällig.

Dazu kommt die obligatorische Unfallversicherung, die Quitt.ch für 0,6 Prozent des Bruttolohns anbietet – im Beispiel also für 14.40 Franken im Jahr. Unter dem Strich entstehen somit Lohnkosten von 2605.60 Franken pro Jahr. Zusätzlich verlangt Quitt.ch ein Honorar in der Höhe von 238.95 Franken. Dies entspricht einem Aufschlag von 9,2 Prozent.

Der Fall Fehr

In der Vergangenheit machte Quitt.ch schon mit einer kontroversen Werbeaktion von sich reden. So warb das Portal mit dem Spruch: «Haushaltshilfen einfach fehr anstellen». Es spielt damit auf SVP-Nationalrat Hans Fehr an, der wiederholt eine Asylbewerberin illegal als Putzfrau beschäftigt hatte, ohne sie bei den Behörden anzumelden.

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