Schwierige BerechnungEuro-Crash kostet weltweit 17 Billionen Euro
Seit Monaten spekulieren Ökonomen über die Kosten eines Euro-Kollapses. Laut einer neuen Studie könnte der wirtschaftliche Schaden bis zu 17 Billionen Euro betragen. Grösster Verlierer wäre Frankreich.

Der Zusammenbruch des Euro hätte nicht nur ökonomische Konsequenzen. Es dürfe auch zu sozialen Spannungen und politischen Instabilitäten kommen.
Die Staaten, die Nationalbanken und auch die Grosskonzerne haben die Notfallpläne für den Eurocrash längst in der Schublade. Zwar ist ein Zusammenbruch der Währungsunion seit der Zusicherung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unlimitiert Staatsanleihen aufzukaufen, etwas unwahrscheinlicher geworden, dennoch ist der Euro nicht über den Berg.
Der Frage, was der Eurocrash kosten würde, hat sich die deutsche Bertelsmann-Stiftung angenommen. Ökonomen haben die Folgen und erstmals die Wachstumsverluste für über 40 wichtige Industrie- und Schwellenländer bis zum Jahre 2020 analysiert.
Bis 2020 würden sich die Wachstumsverluste aufgrund eines Euro-Austritts der Griechen und dem damit verbundenen Domino-Effekt in den untersuchten Ländern auf 17,2 Billionen Euro belaufen. Absolut betrachtet wären die Verluste in Frankreich mit 2,9 Billionen Euro am höchsten. Die Schweiz wäre von einer Wachstumseinbusse von 240 Milliarden Euro über die nächsten acht Jahre betroffen – Nachbar Deutschland von 1,7 Billionen Euro. Stark spürbar wären die Folgen des Euro-Crashs auch in den USA und im fernen Osten. Chinas Wachstumsverluste veranschlagen die Bertelsmann-Ökonomen auf 1,9 Billionen Euro, jene der USA auf 2,8 Billionen.
Flächenbrand verhindern
«Wir müssen jetzt in der aktuellen Situation unbedingt den Ausbruch eines Flächenbrandes verhindern», warnt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung. Die mit einem Ausscheiden von Griechenland oder Portugal einhergehende Panik an den Börsen berge die Gefahr eines derart drastischen Risikoaufschlags, dass der Schuldendienst für Länder wie Spanien und Italien unmöglich würde. Die Folge: eine Totalerosion in der Eurozone.
Für Griechenland wäre das Austrittszenario mit einem Staatsbankrott, einer massiven Abwertung der neuen griechischen Währung sowie stark steigender Arbeitslosigkeit und massiven Nachfrageverlusten verbunden. Darunter würden auch die direkten Handelspartner der Hellenen leiden. In Griechenland selbst dürften sich die Wachstumsverluste bis zum Jahre 2020 auf 164 Milliarden Euro oder 14 300 Euro pro Einwohner belaufen. Die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt müssten in der Summe aber bereits einen Verlust von insgesamt 674 Milliarden Euro verkraften. Die Schweiz käme beim Grexit glimpflich davon. Der Schaden beträgt laut der Studie drei Milliarden Euro.
Käme es beispielsweise in der Folge des griechischen Euro-Aus auch zu einem zusätzlichen Austritt Portugals, würden sich die kumulierten Wachstumsverluste aber bereits auf 2,4 Billionen Euro summieren, wobei die Schweiz mit 15 Milliarden und die USA und China mit 365 bzw. 275 Milliarden Euro betroffen wären.
Mit Italien-Aus wirds problematisch
Noch weitaus dramatischer ist das Szenario, wenn auch der Ausstieg Spaniens einberechnet wird. Verlässt zusätzlich Spanien die Eurozone, erhöhen sich die Wachstumseinbussen massiv, auf bis zu 7,9 Billionen Euro. Auch die kumulierten Einbussen pro Kopf würden in diesem Szenario sprunghaft in die Höhe schiessen. Für Die Schweiz wäre die Folge ein Verlust von 90 Milliarden über acht Jahre bis 2020.
Unbeherrschbar schliesslich würde die Lage, wenn die Euro-Krise dazu führte, dass auch Italien die Eurozone verlassen müsste: Dieses Szenario würde schliesslich auch in eine dramatische internationale Rezession und Weltwirtschaftskrise münden. Bis 2020 würden sich die Wachstumsverluste auf 17,2 Billionen Euro belaufen.
In ihrer Gesamtbewertung kommen die Autoren zum Fazit: Ein zunächst isolierter Austritt Griechenlands und sein Staatsbankrott wären zwar ökonomisch verkraftbar, könnten aber mit ihren schwer kalkulierbaren Folgen die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen. Neben den rein ökonomischen Konsequenzen wäre aber auch mit sozialen Spannungen und politischen Instabilitäten zu rechnen: vor allem in den Ländern, die aus dem Euro ausscheiden, aber auch in anderen Volkswirtschaften. Dies wäre laut der Bertelsmann-Stiftung so bedrohlich, dass die internationale Staatengemeinschaft beides verhindern sollte.