Wilhelm Tell gegen ZottelAbstimmungs-Game stürmt iTunes-Charts
Mit einem Handy-Game will Economiesuisse gegen die Einwanderungs-Initiative der SVP mobilisieren. Die App ist ein voller Erfolg.
Seit Sonntag ist das Handy-Game in den App-Stores von Apple und Google erhältlich. Es heisst «Superwilli» und wurde vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse lanciert. Das Computerspiel – das auch im Browser gespielt werden kann – soll die Wähler dazu animieren, gegen die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP abstimmen zu gehen. Als Wilhelm Tell – in der App trägt er den Namen Superwilli – muss man gegen mehrere SVP-Bösewichte ankommen, um schliesslich an die Urne zu gelangen und den Stimmzettel einzuwerfen. Unter den SVP-Bösewichten, die es zu überwinden gilt, ist beispielsweise der Ziegenbock Zottel. Auf dem Weg zur Urne können zudem Äpfel eingesammelt werden – das Game ist an den Klassiker «Super Mario» angelehnt. «Wir wollen mit einem Augenzwinkern auf ein sonst sehr ernsthaftes Thema aufmerksam machen», erklärt Kampagnen-Leiter Oliver Steimann von Economiesuisse.
«Cleverer Schachzug»
Mit einer humorvollen Herangehensweise wolle man ein neues Publikum erreichen. Derzeit wird das Economiesuisse-Game auf mehreren Social-Media-Kanälen wie Facebook und Twitter beworben – und scheint Anklang zu finden. Zwar wurden die Zahlen in den App-Stores von Google und Apple noch nicht veröffentlicht. Doch im iTunes-Highscore lag es zwischenzeitlich auf Rang 11. «Das hat noch kein Polit-Game in der Schweiz je erreicht und ist einmalig», sagt Steimann. Auch auf Facebook erreichte das Game innert 24 Stunden 77'000 User.
«Marketingtechnisch ist das ein cleverer Schachzug von Economiesuisse», findet Cary Steinmann, Marketing-Experte und -Dozent an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. «Sie können so junge Wähler erreichen», meint er. Vorausgesetzt, Form und Inhalt seien gut. Denn sei das Game nicht gut gemacht, werde sich das gerade auf Social-Media-Kanälen, wo alles bewertet werden kann, sehr schnell verbreiten und für Negativ-Schlagzeilen sorgen. Im App-Store Google Play fallen die Erfahrungsberichte gemischt aus. Einige finden das Game «Schrott», andere finden es eine «lustige Idee». Laut Economiesuisse wurde das Game absichtlich sehr einfach gehalten. Das Thurgauer Start-up Kaden & Partner hat die App innert etwas mehr als einem Monat entwickelt.
Bereits letztes Jahr machte Economiesuisse mit einem Werbespot von Regisseur Michael Steiner im Rahmen der Abstimmungskampagne gegen die Abzocker-Initiative von sich reden. Der umstrittene Film blieb am Schluss unter Verschluss, weil es als Provokation und Drohung hätte missverstanden werden können.