Bald ist Schluss mit lästigen Werbeanrufen

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SchutzfilterBald ist Schluss mit lästigen Werbeanrufen

Viele Schweizer nerven sich über Werbeanrufe. Swisscom, Sunrise und UPC Cablecom wollen störende Anrufe aus Callcentern deshalb blockieren.

S. Spaeth und K. Wolfensberger
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S. Spaeth und K. Wolfensberger
Manchmal melden sich Mitarbeiter von Callcentern sogar spätabends und versuchen, Versicherungen oder andere Produkte zu verkaufen.
Kaum etwas ärgert Schweizer mehr als Anrufe zu Werbezwecken.
Die Telecomfirmen Sunrise, Swisscom und UPC Cablecom wollen daher eine Lösung gegen die störenden Werbeaktionen suchen.
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Manchmal melden sich Mitarbeiter von Callcentern sogar spätabends und versuchen, Versicherungen oder andere Produkte zu verkaufen.

Keystone/Gaetan Bally

Beschwerdenauswertungen des Konsumentenschutzes zeigen: Kaum etwas ärgert Schweizer mehr als Anrufe zu Werbezwecken. Manchmal sogar spätabends melden sich die Mitarbeiter der Callcenter und versuchen, Versicherungen oder andere Produkte zu verkaufen. Im Kampf gegen die unerwünschten Anrufe können die Konsumentenschützer nun einen Erfolg verbuchen.

Die Telecomfirmen Sunrise, Swisscom und UPC Cablecom wollen eine Lösung gegen die störenden Werbeaktionen suchen. Das ist das Ergebnis eines runden Tisches, den die Stiftung für Konsumentenschutz 8KS zusammen mit ihren Partnern der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen (FRC, ACSI) im vergangenen Jahr initiiert hat.

Salt zieht nicht mit

Je nach Anbieter sollen Kunden bereits Ende 2016 von einem Werbeanruf-Filter profitieren können, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Der Filter soll nicht nur im Festnetz, sondern auch im Mobilfunknetz funktionieren. Am runden Tisch hatten nebst den Konsumentenschützern Vertreter des Bundesamts für Kommunikation (Bakom), des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), der Unternehmen Salt, Sunrise, Swisscom, UPC Cablecom und VTX teilgenommen. Auch Callnet.ch, der Callcenter-Branchenverband, war beteiligt.

Swisscom wird wohl Ende 2016, UPC Cablecom Mitte 2017 eine Lösung anbieten können. Bei Sunrise geht man davon aus, dass die Einführung eines Werbefilters mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen wird. Salt hat sich anscheinend gegen die Einführung eines Werbefilters entschieden – wieso ist derzeit noch offen. Eine Antwort auf eine Anfrage von 20 Minuten steht noch aus.

«Salt war bei den Gesprächen mit dabei. Die Firma wollte aber kein Versprechen abgeben, effektiv zu handeln und eine Lösung zu etablieren», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder zu 20 Minuten. Der Alleingang werde Salt aber unter Druck bringen, sobald die Konkurrenz die Filter anbietet.

Experte ist skeptisch

Wie genau die einzelnen Anbieter den Schutz vor lästigen Werbeanrufen sicherstellen, ist erst in Umrissen klar. Eine Möglichkeit wäre, dass die Telecom-Anbieter illegal operierende Callcenter identifizieren und ihren Kunden anbieten, deren Werbeanrufe herauszufiltern.

Was den Werbeanruf-Filter anbelangt, ist Telecom-Experte Ralf Beyeler eher skeptisch. «Ein solcher Filter kann technisch leicht umgangen werden. Findige Callcenter werden sich innert Kürze andere Rufnummern zulegen.» Das sei einerseits durch das Programmieren der eigenen Telefonanlage möglich, andererseits könnten sich Callcenter auf dem Markt unverdächtige Rufnummern kaufen.

Laut Beyeler ist es eine Illusion, zu glauben, dass Callcenter, die den Sterneintrag im Telefonbuch nicht respektieren, sich von Werbeanruf-Blockern abhalten lassen. «Damit ein solcher Filter funktionieren kann, braucht es ein international abgestimmtes Verifizierungssystem», sagt Beyeler. So etwas könne die Schweiz niemals im Alleingang realisieren.

Die Apps von local.ch und von search.ch bieten übrigens bereits heute den Nutzern die Möglichkeit, Werbeanrufe automatisch zu blockieren. Sie führen dazu eine Liste von Telefonnummern von Werbefirmen. Wenn gewünscht können Nutzer der Apps wählen, ob Anrufe von solchen Nummern als Werbung gekennzeichnet oder vollständig unterdrückt werden sollen.

Update vom 19.5.16

kwo

Frau Stalder*, endlich kommt der Werbefilter fürs Telefon. Ist das der grösste Erfolg der Konsumentenschützer in den letzten Jahren?

Wenn der Werbefilter fürs Fest- und Mobilfunktelefon tatsächlich umgesetzt ist, ist das ein grosser für Erfolg für uns. Werbeanrufe sind neben ungerechtfertigten Forderungen von Inkassobüros eines der am häufigsten genannten Ärgernisse in unseren Umfragen. Noch dauert es aber einige Monate, bis die Telekomfirmen die Filter bereit haben.

Wie sind die Gespräche mit den Telekomfirmen verlaufen?

Den Telekomfirmen ist bewusst, dass sich ihre Kunden über die Werbeanrufe nerven und einige deshalb auch ihren Festnetzanschluss kündigen. Eine gewisse Überzeugungsarbeit war – mit Ausnahme eines Anbieters - dennoch nötig.

Besteht nicht die Möglichkeit, dass findige Anbieter diese Filter austricksen?

Es ist möglich, dass Callcenter Wege finden, zwischenzeitlich das Filter-System zu umgehen. Ich gehe davon aus, dass es ähnlich sein wird wie bei Spam-E-Mails: Ein paar wenige schaffen es trotz Filter zum Kunden, die grosse Mehrheit wird jedoch blockiert.

Es gibt aber Callcenter, die klauen die Nummern

Hier spricht man von Spoofing. Findige Callcenter verschleiern ihre eigentliche Telefonnummer, auf dem Display des Angerufenen erscheint stattdessen eine beliebige Nummer. Oft wird dabei eine Schweizer Festnetznummer verwendet. Dieses Vorgehen macht eine Filterung herausfordernd, es gibt jedoch bereits Lösungen, die gut funktionieren. Callcenter werden aufgrund verschiedener Merkmale, beispielsweise der Anzahl und Dauer von abgehenden Anrufen, identifiziert. Ein Wechsel der Nummer ändert an solch typischen Merkmalen nichts.

*Sara Stalder ist Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumetenschutz (SKS)

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