Immo-CrowdfundingBald können auch Klein-Anleger Häuser kaufen
Crowdfunding macht es möglich: Als Kleinsparer in grosse Immo-Projekte zu investieren. Ein Start-up lanciert eine entsprechende Plattform.
Ende Oktober startet mit Crowdhouse das erste Schweizer Immobilien-Crowdfunding-Portal. Ab einer Investition von 25'000 Franken kann man so ein im Grundbuch eingetragener Miteigentümer eines bestehenden Mehrfamilienhauses werden, wie Firmengründer und CEO Robert Plantak 20 Minuten erklärt. Ziel der Plattform sei es, jeden zum potenziellen Miteigentümer einer Liegenschaft zu machen, auch ohne das sonst dafür benötigte Vermögen.
Die Liegenschaften, in die die Nutzer der Plattform investieren, werden von Crowdhouse selbst verwaltet. Wer investiert, müsse sich also nicht um organisatorische Dinge kümmern, so Plantak. An der Rendite sind die Nutzer aber als Miteigentümer der Liegenschaft direkt beteiligt. Die über Crowdhouse angebotenen Mehrfamilienhäuser befänden sich in der Schweiz und würden vorgängig von Immobilienspezialisten in Bezug auf Nachhaltigkeit oder Vermietbarkeit geprüft, so Plantak.
Schwierig Geld gewinnbringend anzulegen
Auf die Idee zur Gründung der Plattform sei er gekommen, weil es im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld schwierig sei, Geld gewinnbringend zu investieren. Ein Konto auf einer Bank werfe kaum noch Zins ab. Und wer mit kleineren Beträgen in Immobilien investieren wolle, dem blieben oft nur Fonds als Möglichkeit. «Diese unterliegen jedoch den üblichen Börsenschwankungen, da die Anteile an der Börse gehandelt werden.»
Hier setzt Crowdhouse an. Das Geld werde direkt in die Liegenschaft investiert und die Rendite werde einzig aus den Mieterträgen generiert – Schwankungen an der Börse seien daher irrelevant. Die notwendige Website erstellte Crowdhouse in Zusammenarbeit mit der Web- und App-Entwicklungsfirma Ginetta.
Weiterverkauf nach fünf Jahren
Ein Häuserkauf auf der Website funktioniert dann laut Plantak wie folgt: Das Geld wird, sobald der zum Kauf der Liegenschaft nötige Gesamtbetrag zusammengekommen ist, auf ein Sperrkonto einer Bank überwiesen. Diese überweise gleich nach dem Grundbucheintrag das Geld an den Immobilienverkäufer und erledige die Formalitäten. Der Käufer bleibe dann für eine fixe Dauer von fünf Jahren Miteigentümer. Danach werde die Immobilie zum bestmöglichen Preis verkauft, wobei die Miteigentümer an einer allfälligen Wertsteigerung teilhaben. Im Idealfall könne man mit einer Eigenkapitalrendite zwischen vier und sechs Prozent rechnen.
Technologie-Pionier und Unternehmer Marc P. Bernegger sagt 20 Minuten, dass der Ansatz von Crowdhouse grundsätzlich spannend und eine interessante Alternative für Privatanleger sei: «Allerdings dürfte damit zusätzliches Kapital in den sonst schon überhitzten Immobilien-Markt fliessen.» Dies wiederum sei mit gewissen Risiken verbunden. Will heissen: Es könnte die Blasenbildung im Immobiliensektor fördern.
Auch andere Experten äussern Zweifel. Donato Scognamiglio, Chef der Immobilienberatungsfirma Iazi, äusserte sich im «Tagesanzeiger» zu Crowdhouse. Angesichts der Negativzinsen und des damit verbundenen Anlagenotstands sei die Nachfrage nach Mehrfamilienhäusern gross. Die Rendite auf solche Objekte betrage derzeit durchschnittlich 3,5 Prozent. Weit weniger als die 6 Prozent, die Plantak verspricht. «Höhere Nettorenditen sind für attraktive Objekte nur noch schwer zu holen», sagt Scognamiglio. Und falls doch, sei das Risiko gross, so der Experte.