Chefs lassen Angestellte öfter überwachen

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Blaumachen im TrendChefs lassen Angestellte öfter überwachen

Laut Privatdetektiven wird Blaumachen in der Schweiz langsam zum Volkssport. Deshalb erhalten sie immer öfter Aufträge von Chefs, die ihre Mitarbeiter überwachen lassen.

Arno Meili
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Arno Meili
Immer mehr lassen Chefs lassen Blaumacher von Privatdetektiven ausspionieren.

Immer mehr lassen Chefs lassen Blaumacher von Privatdetektiven ausspionieren.

Zwischen 2008 und 2013 stieg die wöchentliche Dauer der Absenzen bei Vollzeitarbeitnehmenden in der Schweiz im Durchschnitt um 12 Minuten pro Person. Dabei sind über drei Viertel dieser Absenzen laut dem Bundesamt für Statistik auf Unfälle oder Krankheit zurückzuführen.

Einen immer grösser werdenden Teil dieser Fehlzeit machen laut Peter Schelker, Präsident der Vereinigung international tätiger Privatdetektive und Inhaber der Privatdetektei IPD-Agentur in Liestal, Blaumachen und Krankfeiern aus. «Sie sind zu Volkssportarten geworden», so Schelker. Die Anzahl an Anfragen von Chefs, die ihre Angestellten überwachen lassen wollen, habe in den letzten Jahren deshalb massiv zugenommen.

Beim Golfspielen anstatt zuhause

Besteht bei einer Anfrage ein berechtigter Verdacht, beginnen Schelker und sein Team mit ihren Nachforschungen. Diese bestehen meist darin, die verdächtige Person zu verfolgen und mit Foto- und Videokamera bewaffnet auf frischer Tat zu ertappen. Bisher haben sich rund 80 Prozent der Verdachtsfälle bewahrheitet, denen die IPD-Agentur nachgegangen ist. «Einen Blaumacher habe ich zum Beispiel anstatt zu Hause im Bett beim Golfspielen fotografiert», so Schelker.

In einem anderen Fall überwachte der Privatdetektiv einen Elsässer, der sich von einem Tag auf den anderen wegen Rückenproblemen krankschreiben liess. «Bereits am ersten Tag seiner Krankheit beobachtete ich, wie er seinen Wagen mit Material volllud, das er zuvor seinem Arbeitgeber gestohlen hatte», so Schelker. Danach sei er über die Grenze gefahren und habe dort für ein französisches Gipsergeschäft gearbeitet. So habe er Lohn in Frankreich und Krankentaggeld in der Schweiz kassiert.

Ärzte stellen falsche Zeugnisse aus

Ein anderes Mal verfolgte Schelker eine junge Coiffeuse aus Basel, die sich per Arztzeugnis bestätigt krank abmeldete – verdächtigerweise aber genau zu der Zeit, in welcher sie vergeblich versucht hatte, Ferien zu nehmen. Also stieg er in sein Auto und verfolgte die Frau bis nach Deutschland, wo sie im Restaurant ihrer Eltern servierte. Danach habe er die Chefin angerufen und mit ihr im Restaurant einen Kaffee getrunken. «Der jungen Frau ist vor Schreck fast das Tablett aus der Hand gefallen», so Schelker.

Die Gründe für die zunehmende Zahl an Blaumachern sieht er in der sinkenden Loyalität der Arbeitnehmer gegenüber ihren Arbeitgebern und der schwindenden Arbeitsmoral. Ein zusätzliches Problem seien Ärzte, die falsche Zeugnisse ausstellten. «Die Namen dieser Ärzte sprechen sich schnell herum», so der Privatdetektiv.

Mehr Fälle in Österreich und Deutschland

Das Phänomen des zunehmenden Blaumachens ist indes nicht nur in der Schweiz zu beobachten. «Ich habe mit meinen Kollegen gesprochen und es hat sich gezeigt, dass die Zahl der Fälle auch in Deutschland und Österreich stark angestiegen ist», sagt Schelker.

Dies bestätigt auch der deutsche Privatdetektiv Marcus Lentz gegenüber dem «Handelsblatt». «Wir gehen jedes Jahr rund 400 Fällen nach, bei denen ein Anfangsverdacht der unrechtmässigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vorliegt.» Dabei könne er in acht von zehn Fällen nachweisen, dass sich die Mitarbeiter nicht um ihre Genesung bemühen, sondern ihren Hobbys oder sogar Zweitjobs nachgehen.

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