Schweizer SchliessfächerDie Deutschen können kommen
Im Schnüffelstaat Deutschland droht selbst für Bankschliessfächer die totale Kontrolle. Die Schweiz ist gewappnet, um die Wertgegenstände der nördlichen Nachbarn aufzunehmen.

In den Schliessfächern lagern nicht nur Geld, sondern auch Edelmetalle, Schmuck, Dokumente und Sicherungskopien von CDs.
Arme Deutsche: Sie werden wohl bald ihr letztes Bisschen finanzielle Privatsphäre verlieren. Im Rahmen einer geplanten Neuauflage des Anti-Terror-Gesetzes überlegen sich die Behörden, eine zentrale Überwachung von Bankschliessfächern einzuführen. Will heissen: Banken sollen künftig nicht nur die Daten ihrer Schliessfach-Mieter an ein zentrales Register melden, sondern auch den Inhalt jedes Schliessfachs protokollieren.
Derartig Rigoroses ist im Schweizer Reduit des Bankgeheimnisses nicht geplant. Hier geht alles den gewohnten Lauf der Dinge. «Mehr Transparenz bezüglich Terrorprävention steht derzeit nicht zur Diskussion», sagt Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung. Und bezüglich Inhalt von Schliessfächern mache der Verband auch künftig keine Auflagen.
Einzelne Banken haben zwar eigene Regeln aufgestellt, was in die Schliessfächer darf und was nicht (beispielsweise nichts, was verfaulen könnte). Doch grundsätzlich können die Mieter von Schweizer Bank-Safes einschliessen, was sie wollen. Und ausser ihnen weiss auch niemand, was sich darin befindet.
Steigende Nachfrage
Die Aufbewahrungsplätze in den Katakomben der Banken erfreuen sich insbesondere seit der Finanzkrise wachsender Beliebtheit. So melden die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Bank Vontobel und die Migros Bank steigende Nutzungszahlen. Am Hauptsitz der Migros Bank an der Zürcher Seidengasse sind heute sogar sämtliche 500 Tresorfächer belegt. Nur bei der UBS meldet man eine «über eine längere Zeitperiode eher abnehmende Nachfrage».
Auf Anfrage geben die meisten Banken zwar keine konkreten Zahlen mehr bekannt. Doch kann aus bereits publizierten Angaben geschlossen werden, dass es hierzulande Hunderttausende von Schliessfächern gibt. So weiss man, dass die UBS rund 144 000 Schliessfächer im Angebot hat, die Credit Suisse sogar 195 000. Die ZKB führt 85 000 Kundentresore, die Basler Kantonalbank (BKB) 26 000, und die Migros Bank meldet 8000. Kleine Schliessfächer werden bereits für 40 bis 100 Franken pro Jahr vermietet.
Kapazitäten reichen
Tonnenweise schwarze Banknoten werden hier nicht gebunkert; dafür Edelmetalle, Schmuck, Münzen, Sicherungs-CDs, Wertpapiere oder Dokumente. Ob die Schliessfächer eine grosse Rolle in Bezug auf Steuerhinterziehung spielen, darf bezweifelt werden: Schliesslich werfen sie keinen Zins ab. Trusts, Insurance Wrappers und andere Finanzvehikel sind bei grossen Vermögen weitaus geeigneter, um die Steuerlast zu senken.
Entsprechend rechnen die Schweizer Banken nicht mit einem Run deutscher Steuerflüchtlinge. Doch meint man sowohl bei Raiffeisen als auch bei der ZKB: «Die vorhandenen Kapazitäten reichen gut aus, um noch mehr Kunden aufnehmen zu können.» Steuersünder dürften es zwar nicht so leicht haben, sich in ein Schweizer Schliessfach zu flüchten: Wer bei der ZKB einen Tresor mieten will, muss auch andere Geschäfte mit der Bank abwickeln und wird entsprechend auf seine weisse Weste hin geprüft.
Allerdings gibt es doch einen klaren Vorteil. So haben Kunden derzeit noch weiter Zugang zu ihren Schliessfächern, auch wenn ein Amtshilfeverfahren zwischen der Schweiz und einem anderen Staat bezüglich des Mieters und dessen Schweizer Bankverbindung läuft.