«Public Eye Award»Die Schmuddel-Firmen sind nominiert
Die Top-Anwärter für den diesjährigen Schmähpreis sind nominiert. Die Auswahl der Jury sorgt für reichlich Zündstoff.
Seit 2005 vergibt ein Zusammenschluss von Organisationen unter dem Namen «Public Eye Awards» Schandpreise an Firmen, die negativ auffallen.
BP, Foxconn, Neste Oil, Philip Morris International, Anglo Gold Ashanti und Axpo heissen die Top-Anwärter für den diesjährigen «Public Eye Award» (siehe Bildstrecke). Der Schmähpreis wird Ende Januar am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos vergeben.
Aus über 30 Kandidaten wählte eine Fachjury die sechs skandalösesten Fälle aus. Auf der «Public Eye»-Homepage ist es ab Montag möglich, seine Stimme für den Publikumspreis abzugeben. Daneben bestimmt eine Jury den Gewinner des sogenannten Jurypreises.
Axpo zeigt sich «befremdet»
Axpo, das einzige Schweizer Unternehmen unter den sechs «Public Eye»-Kandidaten, nimmt seine Nominierung «mit Befremden» zur Kenntnis. «Wir sind erstaunt, dass ausgerechnet ein Unternehmen, das sich der Transparenz und Nachhaltigkeit verpflichtet hat und als erster KKW-Betreiber eine umfassende Umweltdeklaration veröffentlicht hat, auf diese Liste gesetzt wurde», so Sprecherin Anahid Rickmann.
Das Unternehmen, das mit sauberem Atomstrom wirbt, bezieht sein Uran gemäss der «Public Eye»-Jury aus der Wiederaufbereitungsanlage Majak, die nebst Tschernobyl einer der verstrahltesten Orte der Welt sei. Brisant daran: Der Energieriese habe diese Praxis jahrelang verschleiert.
Vorwurf nicht nachvollziehbar und unverständlich
Der Vorwurf, dass Axpo Informationen verheimliche, ist gemäss dem Unternehmen in keiner Art und Weise nachvollziehbar und unverständlich. Auch stammten die von Greenpeace monierten Belastungswerte in der Gegend von Mayak aus Vorfällen in den fünfziger und sechziger Jahren.
Ob die Vorwürfe aktueller Natur sind oder nicht, sei dahingestellt. Sicher ist: Axpo klärt gemäss Rickmann ab, ob – wie Greenpeace behauptet – tatsächlich auch heute noch Grenzwerte nicht eingehalten werden.
BP hingegen ist nicht überrascht
«Die Nominierung zu den Public Eye Awards erstaunt uns nicht», sagt Isabelle Thommen von BP Schweiz. Und sie fügt hinzu: «Uns ist wichtig, dass die Öffentlichkeit weiss, dass wir alles unternehmen, damit solch ein Unglück nicht nochmals passiert.»
Der britische Konzern wird für den schwersten Ölunfall der Geschichte verantwortlich gemacht, bei dem 2010 elf Arbeiter starben und Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko flossen.
Für das Unglück übernimmt die BP Gruppe die volle Verantwortung und bedauert es. Thommen: «Das Bohrloch ist seit Juli verschlossen, doch unser Einsatz am Golf von Mexiko geht weiter.»
«Public Eye»
«Public Eye» feiert dieses Jahr seinen 12. Geburtstag. Die globalisierungskritische Plattform wurde 2000 von der «Erklärung von Bern» (EvB) und anderen Nicht-Regierungsorganisationen gegründet und war bis 2004 die Gegenveranstaltung zum WEF. Heute wird das «Public Eye» von der EvB und Greenpeace Schweiz getragen.