Komfort auf den billigen Plätzen

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Aufgepasst bei der SitzwahlKomfort auf den billigen Plätzen

Eine Flugreise in der Economy-Klasse muss nicht unbedingt beschwerlich sein. Bei Sitzbreite und Beinfreiheit gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede.

Kian Ramezani
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Kian Ramezani

Alle, die schon einmal weit gereist sind, mindestens 180 Zentimeter Körpergrösse aufweisen und nicht in Geld schwimmen, wissen um die Strapazen eines Langstreckenflugs in der Economy-Klasse. Lange Stunden eingepfercht auf engstem Raum setzen vor allem dem Unterkörper zu, hinterlassen lästige Druckstellen auf dem Knie und verkaterte Gelenke. Nach der Landung vorbei an den opulenten Business- und First-Class-Sitzen auszusteigen, rundet die Tortur ab: So entspannt fliegen die Privilegierteren.

Viele dieser Unannehmlichkeiten lassen sich vermeiden, ohne ein teures Upgrade in eine höhere Klasse zu lösen. Wer bereit ist, vor Antritt seiner Flugreise etwas Zeit zu investieren, kann auch in der Holzklasse durchaus komfortabel fliegen. Auf der Website seatguru.com sind die Sitzpläne aller Flugzeuge der wichtigsten Airlines aufgelistet - einschliesslich Sitzbreite und Sitzabstand, die beiden Problemzonen in der Economy-Klasse.

Viel Durchschnitt bei der Beinfreiheit

Sowohl für Sitzbreite als auch Beinfreiheit gilt: Je mehr desto bequemer. Die Sitzfläche eines Standardsitzes, gemessen zwischen den beiden Armlehnen, ist rund 44 Zentimeter breit. Der Abstand zwischen zwei Sitzen beträgt standardmässig rund 80 Zentimeter. Das entspricht nicht der Beinfreiheit sondern dem Abstand zwischen zwei identischen Punkten auf zwei hintereinander liegenden Sitzen (siehe Abbildung rechts).

Zehn Stunden auf so einem Standardsitz sind für eine mittel- bis grossgewachsene Person kein Vergnügen. Gesucht sind also Sitze, die die Durchschnittswerte überschreiten. Beispiele dafür gibt es im internationalen Flugverkehr genügend - allerdings auch für unterdurchschnittliche Werte.

Mehr Beinfreiheit in Asien

Sitzfläche und Sitzbreite variieren nicht nur im Vergleich zwischen den Airlines, sondern auch innerhalb der Flotte derselben Airline stark. Vereinfacht lässt sich immerhin sagen, dass im angelsächsischen Raum enger gestuhlt wird. Die amerikanischen Delta, American und United sowie British Airways bieten tendenziell weniger Beinfreiheit. Das Gegenteil gilt für den asiatischen Raum, wo etwa Air China, Korean Air, Qatar, Singapore und Thai zum Teil Sitzabstände von 84 bis 86 Zentimeter bieten.

Die Krone geht an vier Airbusse A340 der Thai Airways, wo der Sitzabstand in der Economy-Klasse sagenhafte 91 Zentimeter beträgt. Noch mehr Platz gibt es nur an den Notausgängen und Zwischenwänden, wofür manche Airlines allerdings bereits Aufschläge verrechnen. Am engsten wird es in den Billigfliegern (Easyjet 74, Ryanair 76 Zentimeter), die aber bekanntlich keine Langstreckenflüge anbieten.

Mehr Sitzfläche im A380

Bei der Sitzbreite wird der Standard von 44 Zentimetern kaum signifikant unter- oder überschritten. Auffallend und angenehm überdurchschnittlich sind die Sitze in der Economy-Klasse des Airbus A380. Air France und Singapore bieten 48, Lufthansa sogar 52 Zentimeter. Übrigens: Die Swiss ist hinsichtlich Sitzbreite (44 Zentimeter) und Sitzabstand (81 Zentimeter) lediglich guter Durchschnitt.

Solch generelle Angaben sind natürlich nur von begrenztem Wert für einen Reisenden. Auch British Airways hat gute Sitze und Thai schlechte – unter dem Strich einfach weniger als andere. Deshalb sollte man vor einer abschliessenden Buchung unbedingt seatguru.com konsultieren und die verschiedenen Sitzpläne vergleichen.

Mehr Ego-Sitze bei Boeing

Es gibt weitere Faktoren, die gemäss Studien das körperliche Wohlbefinden an Bord eines Flugzeugs beeinflussen. Ob der Sitz nebenan frei oder besetzt ist, übertrumpft laut Klaus Brauer, Experte für Innenausbau beim US-Flugzeughersteller Boeing, alle anderen einschliesslich Beinfreiheit. Ein Reisender kann, wenn auch in beschränktem Ausmass, beeinflussen, ob der Sitz neben ihm frei bleibt. Zunächst sollten wenn möglich Flüge ausserhalb der Stosszeiten gebucht werden, die nicht voll sind.

Der Sitzplan eines Flugzeugs spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. In einer 3-3-3-Aufteilung einer Boeing 777 können sechs Personen in einer Reihe ohne Nachbar sitzen (siehe Bild rechts oben). Bei einer 2-4-2-Aufteilung eines Airbus A340 wie bei der Swiss können hingegen maximal vier Personen in einer Reihe ohne Nachbar sitzen (siehe Bild rechts oben). Das bedeutet, in der Boeing 777 können bei einer Zwei-Drittel-Auslastung noch alle Passagiere ohne Nachbar sitzen. Im Airbus reichen die Ego-Sitze hingegen nur bis und mit halber Auslastung.

Ruhe trotz Turbulenzen und schreienden Babys

Manche Passagiere schätzen auch Ruhe auf ihrem Flug und fühlen sich entsprechend von Lärm gestresst. Wo sich der johlende Fussballklub hinsetzen wird, kann seatguru.com leider nicht beantworten. Familien mit schreienden Babys sind allerdings oft in den sogenannten Bulkhead-Sitzen anzutreffen, wo sie einen Babykorb an der Trennwand befestigen können.

Wem Turbulenzen zu schaffen machen, sollte eher auf Höhe der Flügel sitzen als weiter hinten, wo auch das kleinste Luftloch spürbar wird.

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