Museen horten Glühbirnen

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«Kein gleichwertiger Ersatz»Museen horten Glühbirnen

Das stufenweise Verbot von konventionellen Glühbirnen und einigen Halogenlampen sorgt in der Kunst- und Architekturszene für Unmut.

Serge Kuhn
SDA
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«Die heutigen Sparlampen sind für unsere Bedürfnisse unbrauchbar», sagte Urs Stahel, Direktor des Fotomuseums Winterthur, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Das Licht der Halogenlampen, wie sie bisher in Winterthur eingesetzt werden, mache die Bilder scharf und «lebendig», während das Licht der Sparlampen wässerig scheine.

Das Fotomuseum Winterthur hortet deshalb Halogenlampen. Die rund 1000 Stück im Lager sollten für zehn Jahre reichen, sagte Stahel. Für einen längeren Zeitraum sorgt die Kunsthalle im norddeutschen Bremen vor: «Wir haben einen Vorrat, der für uns und das Leben meiner Kinder reicht», sagte Kunsthalle-Direktor Wulf Herzogenrath.

Ersatzlösung wohl teurer

Sowohl Stahel wie Herzogenrath gehören zu den Unterzeichnern einer Petition, mit der Exponenten der deutschsprachigen Kunst- und Architekturszene bei der Europäischen Union eine Rücknahme des Glühbirnenverbotes fordern. Herzogenrath sieht durch die europaweite Regelung gar das kulturelle Erbe in Gefahr.

«Es gibt in jedem Museum Kunstwerke mit schönen Glühbirnen, die kann man nicht einfach ersetzen», sagte der Kunsthistoriker gegenüber der Nachrichtenagentur DAPD. Die Form der Beleuchtung sei Teil der authentischen Wirkung eines Kunstwerkes.

Andres Pardey, Vize-Direktor des Basler Tinguely-Museums, hält das Glühbirnenverbot für weniger dramatisch. Pardey vertraut auf den technischen Fortschritt. Er ist zuversichtlich, dass bis in zehn Jahren «ästhetisch befriedigende Ersatzlösungen» erhältlich sind.

Bis dahin sei das Tinguely-Museum mit Vorräten eingedeckt. «Für uns ist das Problem damit eigentlich gelöst», sagte Pardey. Er räumte allerdings ein, dass die Ersatzlösung, auf die er hofft, erheblich teurer sein könnte, als die heutigen Lichtquellen.

Die Frage des Glühbirnenverbots scheint in den deutschsprachigen Gebieten, wo der Protest in der Kunstszene seinen Ursprung hat, wesentlich stärker zu beschäftigen als anderswo. Beim Centre d'Art Contemporain in Genf waren die neuen europäischen Regeln für Lichtquellen bislang noch gar kein Thema, wie es auf Anfrage hiess.

Verschärfung von Jahr zu Jahr

Aus Gründen des Umweltschutzes verschwinden Jahr für Jahr mehr herkömmliche Glühbirnen aus den Läden. Seit September 2009 sind 100- Watt-Birnen nicht mehr erhältlich, seit September 2010 sind klare 75- Watt-Birnen untersagt. Dieses Jahr folgt das Verbot von 60-Watt- Leuchten und 2012 kommt das Aus für 40- und 25-Watt-Birnen.

Die Schweiz übernimmt die entsprechenden Regelungen der EU. Ab 2012 sollen auch hierzulande nur noch Glühbirnen verkauft werden dürfen, die mindestens der Effizienzklasse D entsprechen. Damit wird die klassische Glühbirne aus den Regalen der Kaufhäuser verschwinden. Halogenlampen der besten Energieklassen sind weiter erhältlich.

Die Herstellung einer Energiesparlampe belastet die Umwelt zwar stärker als die Produktion einer herkömmlichen Glühbirne. Doch weil die Sparlampe weniger Strom verbraucht, hat sie diesen Rückstand in der Schweiz nach 187 Stunden Brenndauer wett gemacht, wie die Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) berechnete.

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