BetrugsverdachtNicstic im Visier der deutschen Polizei
Die rauchfreie Zigarette sollte den Investoren Millionen einbringen. Geblieben ist eine polizeiliche Ermittlung wegen Betruges in Millionenhöhe. Spuren führen auch in die Schweiz.
Laut LandeskriminalamtBaden-Württemberg ermitteln die Behörden in Deutschland wegen mutmasslich betrügerischer Anlagemodelle mit Aktien. Grund: Mit unzutreffenden Versprechungen über hohe Gewinne seien potenzielle Anleger zu Investitionen verleitet worden. Ermittelt wird auch im Zusammenhang mit Papieren der Firmen NicStic AG und James Denverson Corp.
Strafanzeige in der Schweiz
NicStic ist in der Schweiz nicht unbekannt: Auch hierzulande versprach die Firma bereits fürs Jahr 2005 die Marktreife der rauchfreien Zigarette. Lanciert wurde das Produkt, das zwar Tabak enthalten aber nicht rauchen sollte, hingegen nie. Im Mai 2006 wurden gegen die Firma NicStic in den Kantonen Zug und Luzern mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt und Strafanzeigen gegen mehrere Verantwortliche eingereicht. Damals hatte der NicStic-Geschäftsführer Michael Spönlein erklärt, die Firma sei Opfer eines Komplotts von Aktionären und ehemaligen Mitarbeitern geworden.
Konkurs im Jahr 2008
Im November 2007 war Schluss mit dem Handel der NicStic-Aktie: Die Bankenkommission (EBK) liquidierte die Firma, da NicStic die Bewilligung für den Handel mit Aktien fehlte. Der Schaden der Anleger betrug laut «Berner Zeitung» 300 Millionen Franken. Auf der Webseite von NicStic heisst es heute: Über die NicStic AG wurde gemäss Verfügung EBK vom 19. März 2008 der Konkurs eröffnet.
NicStic neu aufgelegt?
Über das Wiederaufleben der Betrügereien mit der rauchfreien Zigarette berichtete anfangs Mai bereits der «Kassensturz». Die Sendung implizierte, die James Denverson Corp. sei eine Nachfolgegesellschaft der NicStic, die das Pleiteprojekt neu auflegen würde. Auf ihrer Website bestreitet die James Denverson Corp. die Vorwürfe entschieden. Sie sei weder eine Nachfolgegesellschaft von NicStic, noch seien in ihr dieselben Personen tätig.
In der Gegendarstellung schreibt die Firma: Die Gesellschaft James Denverson Corp. selber verkauft keine Aktien. Diese werden durch eine andere Gesellschaft vertrieben. Die eingenommenen Geldbeträge sollen in die Entwicklung und Produktion sowie den geplanten Börsengang fliessen. Die Angelegenheit scheint sich zu wiederholen. Im Internet verspricht die Firma: Die Zeit ist reif für eine rauchfreie Zigarette. «James Denverson Corp» habe sie entwickelt und durch mehrere Patente international geschützt.
Telefonverkäufe und Internetpräsenz
Laut dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg werben die Firmen seit über vier Jahren um Anleger, überwiegend durch Telefonverkäufe, Prospekte sowie Internetpräsenz, und traten sogar als Sponsoren bei bekannten Veranstaltungen auf, darunter die Miss-Germany-Wahl.
Das Landeskriminalamt schätzt den für Anleger in der Schweiz und in Deutschland entstandene Schaden auf zweistellige Millionenhöhe.
Als mutmassliche Köpfe der Bande gelten laut Polizei zwei Männer im Alter von 55 und 56 Jahren aus dem Landkreis Offenbach und dem Rheingau-Taunus-Kreis sowie eine 43-jährige Frau aus dem Bodenseekreis. Gemeinsam und mit Hilfe weiterer Personen hätten sie ein weit verzweigtes Netzwerk von Scheinfirmen und Gesellschaften zur Verschleierung der mutmasslich betrügerischen Machenschaften geknüpft.
(scc/sas/ap)