DigitalisierungOhne Internet läuft bei den Banken nichts mehr
Ob Antrag für eine Hypothek, Aktienkauf oder Zahlung im Geschäft: Das Internet verändert die Banken.

Der Paradeplatz, das Zentrum der Schweizer Finanzindustrie (Archivbild). Die Digitalisierung verändert das Bankwesen umfassend.
Der Gang in die Bankfiliale ist heute für die meisten Kunden eher die Ausnahme. Wer Geld überweisen oder einfach den Kontostand überprüfen möchte, erledigt das mit Online-Banking. Dieser Trend zur Digitalisierung erreicht immer mehr Bereiche der Finanzbranche und krempelt die gesamte Industrie um.
Was das genau bedeutet, hat die UBS vor Kurzem im Rahmen einer Pressekonferenz gezeigt. So hat die Grossbank verschiedene Apps und Online-Anwendungen lanciert, die sowohl das klassische Retail-Banking als auch die Vermögensverwaltung erleichtern sollen.
Mobile Bezahlterminals
Ein Beispiel ist das mobile Bezahlterminal «Sumup Pin+». Es lässt sich mittels Audiokabel mit einem Smartphone oder einem Tablet verbinden, wo der fällige Betrag eingegeben wird. Der Kunde muss seine Karte ins Terminal stecken und wie üblich die Transaktion mit dem PIN bestätigen. Zielkundschaft von «Sumup Pin+» sind KMU wie das italienische Feinkostgeschäft Genovas am Zürcher Idaplatz. Es verwendet seit einigen Monaten ein entsprechendes Terminal. Geschäftsführer Miloud Genova sagt: «Das Terminal ist bei kleinem Startkapital praktisch, leider sind die Kommissionen langfristig relativ hoch.»
Andreas Kubli von der UBS Schweiz erklärt, das Digital-Engagement lohne sich für die Bank. Personen, welche die Neuerungen der UBS nutzten, generierten 24 Prozent mehr Umsatz als die herkömmliche Kundschaft. Gerade auch in der Vermögensverwaltung spüre man den Effekt. Hier wird die Bank unter dem Namen UBS Advice bald ein Programm zur elektronischen Portfolio-Überwachung lancieren.
Start-ups als Konkurrenz
Hier konkurriert die UBS allerdings mit einer ganzen Reihe von Finanz-Start-ups. Eines davon ist True Wealth. An den diesjährigen Best of Swiss Web Awards im März gewann die Jungfirma Gold in der Kategorie Business.
Ende 2014 wurde True Wealth vom ETH-Physiker Felix Niederer und vom Digitec-Gründer Oliver Herren auf den Markt gebracht. Es bietet eine Online-Plattform, die Anlegern hilft, in kurzer Zeit ein auf ihr individuelles Risikoprofil ausgerichtetes Portfolio zusammenzustellen. Entsprechend ihren eigenen Wünschen können die Kunden dabei auch festlegen, ob sie lieber in Aktien, Obligationen oder zum Beispiel Rohstoffe investieren möchten.
Social Trading
Ein weiterer Trend aus diesem Bereich ist das so genannte Social Trading. Dabei veröffentlichen Investoren ihre Meinungen zu Wertpapieren in sozialen Netzwerken, sodass andere Anleger diese einsehen und mit ihrem eigenen Vermögen nachbilden können.
Einen etwas anderen Ansatz verfolgt das Start-up Investory aus Kloten. Im Gegensatz zum Social Trading dürfen dort ausschliesslich Experten, wie zum Beispiel professionelle Vermögensverwalter, ihr privates Portfolio auf der gleichnamigen Plattform publizieren und dieses so Followern präsentieren. Anlagekunden können dann bei Interesse zeitgleich mit den Profis investieren und auch eigene Verlustbegrenzungen auf den Strategien hinzufügen.
«Es wird noch dauern»
Den verschiedenen Formen der elektronischen Vermögensverwaltung attestiert der Zürcher Internet-Finanzunternehmer Marc P. Bernegger ein grosses Potenzial. Es werde jedoch noch eine Weile dauern, bis damit eine kritische Grösse erreicht werde. «In der Schweiz stehen derzeit einige solcher Firmen in den Startlöchern und ich bin gespannt, wie sich diese entwickeln werden», sagte er zu 20 Minuten.