Rote Ampel gegen störende Arbeitskollegen

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Mehr Ruhe am ArbeitsplatzRote Ampel gegen störende Arbeitskollegen

Plappernde Kollegen oder ständige Chat-Nachrichten reissen Angestellte aus dem Arbeitsfluss. Ein neues Ampelsystem soll das jetzt verhindern.

V. Blank
von
V. Blank
Die Ampel steht auf Grün? Dann ist diese Angestellte offen für einen Schwatz mit den Kollegen.
Das FlowLight-System wurde bei ABB getestet. 450 Mitarbeiter des Schweizer Technologiekonzerns aus zwölf Ländern konnten die Ampel testen.
Eine Version der Ampel mit haftendem Clip an der Trennwand.
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Die Ampel steht auf Grün? Dann ist diese Angestellte offen für einen Schwatz mit den Kollegen.

Screenshot Youtube

Ein Schwatz mit der Kollegin oder eine lustige Anekdote im Chat kann den Tag im Grossraumbüro auflockern – sofern man nicht unter Zeitdruck steht oder mal für einige Zeit am Stück konzentriert arbeiten sollte. Dann sehnt sich wohl so mancher nach einem «Bitte nicht stören»-Schild.

Ein System mit genau dieser Funktion gibt es jetzt – in Form einer Ampel für den Arbeitsplatz. Schaltet sie von Grün auf Rot, signalisiert das den Kollegen: Sprecht oder chattet mich nicht an. Entwickelt wurde das sogenannte FlowLight von Informatikern der Universität Zürich. «Das Licht funktioniert ähnlich wie der Skype-Status», erklärt Informatikprofessor Thomas Fritz, «es zeigt, ob man beschäftigt ist oder Zeit zum Quatschen hat.»

46 Prozent weniger Störungen

Die Ampel soll verhindern, dass Angestellte in wissensintensiven Jobs – etwa Programmierer oder Ingenieure – durch unerwünschtes Bürogeschwätz bei der Arbeit den Faden verlieren. Gemäss einer Studie der University of California brauchen Angestellte ganze 23 Minuten, um nach einer Unterbrechung zurück in ihre Aufgabe zu finden. «Wenn man Wissensarbeiter unterbricht, ist das ein Desaster», sagt David Shepherd vom ABB-Forschungszentrum.

Beim Schweizer Technologiekonzern haben 450 Mitarbeiter in zwölf Ländern in einer Feldstudie getestet, ob die Produktivität mit der roten Ampel verbessert werden kann. Ja, lautet Shepherds Befund: «Wir konnten mit dem Ampelsystem 46 Prozent der Störungen eliminieren.»

Kein Konkurrenzkampf

Das FlowLight funktioniert über eine Applikation, die im Hintergrund am Computer läuft. Sie erkennt, wenn sich ein Büromitarbeiter stark auf seine Arbeit fokussiert. Indikatoren für eine hohe Aktivität sind die Maus- und Tastaturnutzung. Shepherd und sein Team experimentieren derzeit auch mit Messgrössen wie Puls, Augenzwinkern oder Gehirnwellen. Bei Spitzenwerten schaltet die Ampel automatisch auf Rot.

Das Licht kann derweil nicht permanent rot leuchten, sondern nur während 13 Prozent des Arbeitstags – unabhängig davon, wie hart ein Mitarbeiter tatsächlich arbeitet. Das soll laut Informatikprofessor Fritz verhindern, dass es zum internen Konkurrenzkampf kommt: «Die Angestellten sollen sich nicht schuldig fühlen, wenn ihre Aktivität etwas nachlässt und die Ampel auf Grün schaltet», sagt er zum «New Scientist». Das System unterscheidet derweil auch nicht, ob man sich durch die Timeline auf Instagram scrollt oder effektiv an einem Firmenprojekt arbeitet.

Was sagen Arbeitsexperten zur «Bitte nicht stören»-Ampel im Büro? Mehr auf 20minuten.ch

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