Schweizer Konzerne sind nicht mehr schweizerisch

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Keine SwissnessSchweizer Konzerne sind nicht mehr schweizerisch

Thomas Minder will eine Credit Suisse mit Schweizer Chef. Die Bank ist aber längst nicht mehr schweizerisch. Mit dem Chef hat das aber nichts zu tun.

Isabel Strassheim
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Isabel Strassheim
Er hält 5,2 Prozent an der Credit Suisse: Scheich Abdullah bin Mohammed bin Saud al-Thani, Chef der Qatar-Holding.

Er hält 5,2 Prozent an der Credit Suisse: Scheich Abdullah bin Mohammed bin Saud al-Thani, Chef der Qatar-Holding.

Ständerat und Abzocker-Initiant Thomas Minder schreibt auf Facebook: «Die CS hat sich als Schweizer Bank definitiv verabschiedet.» Er zielt damit auf das neue Aushängeschild der Grossbank, Tidjane Thiam. Der neue CEO kommt aus der Elfenbeinküste und Frankreich. Doch dadurch wird die CS nicht ausländischer, als sie ohnehin schon ist. Nicht nur sein Vorgänger Brady Dougan war Ausländer, die Bank ist schon längst in ausländischen Händen. So wie die meisten Schweizer Konzerne. Mit den Chefs hat das nichts zu tun, sondern mit den ausländischen Aktionären.

Die Hauptaktionäre der Credit Suisse – und damit ihre einflussreichsten Besitzer – sprechen Arabisch. Die Schweizer Grossbank gehört zu einem grossen Teil der Qatar Holding (16,5 Prozent) und der saudischen Olayan Group (acht Prozent). Ohne grünes Licht aus dem Nahen Osten hätte Credit Suisse kaum Tidjane Thiam als neuen Chef bestellen können.

US-Fonds sind die Herren der Swissness

Es sind jedoch nicht Araber, sondern in erster Linie Amerikaner, die Geschicke der börsenkotierten Schweizer Unternehmen bestimmen. Allen voran die weltweit grösste Investmentgesellschaft Blackrock.

Blackrock ist in fast in allen Schweizer SMI-Konzernen engagiert, meistens mit gut drei Prozent. Beim Ölbohr-Konzern Transocean hält die Gesellschaft sogar 6,7 Prozent und ist damit grösste Aktionärin.

Investment-Kapital geht rund um den Globus

Aber auch die US-Investmentgesellschaften MFS und Harris Associates haben viele Schweizer Werte in ihren Portfolios – an Credit Suisse hält Harris Associates etwa 5,2 Prozent. Die norwegische Zentralbank, die die Ölmilliarden des Landes anlegt, investiert auch in Schweizer Firmen und hält an CS, UBS und Zurich je drei oder fünf Prozent.

«Der Auslandsanteil bei den Schweizer Aktien ist ziemlich bedeutend», sagt Robby Tschopp. Der Geschäftsführer des Aktionärsvereins Actares betont jedoch, dass es im Prinzip egal ist, ob die Aktionäre ausländisch oder inländisch sind: «Die Investmentkultur hat mit der Nationalität kaum etwas zu tun.» Denn es geht rund um den Globus schlicht um die beste Rendite.

Swatch und Roche als Raritäten

«Der Grund für die vielen ausländischen Firmen-Chefs liegt jedoch nicht an den ausländischen Aktionären – es wären schlechte Investoren, wenn sie auf den Pass achten würden», sagt Tschopp. So hat etwa die UBS mit Sergio Ermotti einen Schweizer zum Chef, obwohl der Staatsfond von Singapur mit 6,4 Prozent der grösste Aktionär ist.

Raritäten sind Schweizer Konzerne, die in der globalisierten Investmentwelt, tatsächlich noch schweizerisch sind. Aber es gibt sie: Swatch ist nicht nur Swiss made, sondern auch Swiss owned. Das geht nur dank einer Familie, die am Unternehmen festhält und einer Namenaktie, die bei Generalversammlung ihren Einfluss sichert. Genauso gilt das auch für Roche. Auch Holcim wird von Thomas Schmidheiny dominiert – und daran wird auch die Fusion mit Lafarge nichts ändern.

Ein anderer echt schweizerischer SMI-Konzern ist Swisscom. An ihr hält die Eidgenossenschaft 52,2 Prozent.

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