Tabak-ErsatzprodukteSind die Lifestyle-Zigis wirklich gesünder?
Mit neuen Produkten versucht die Tabakindustrie im Geschäft zu bleiben. Dabei zeichnet sich ein Machtkampf zwischen Philip Morris und British American Tobbaco ab.
Christopher Proctor, Chief Scientific Officer bei British American Tobacco, im Interview mit 20 Minuten.
Eine Zigarette im Mund, ein Drink in der Hand: Was früher zum guten Ton gehörte, ist heute verpönt. Vor allem das Rauchen verliert in Industrieländern zunehmend an Beliebtheit. Die Tabakindustrie versucht sich deshalb neu zu orientieren und denkt über einen Ausstieg aus dem Geschäft mit herkömmlichen Zigaretten nach.
Die Industrie setzt daher stärker auf Ersatzprodukte wie etwa E-Zigaretten, bei denen eine aromatisierte Flüssigkeit erhitzt wird. Beinhalten diese Nikotin, sind sie in der Schweiz aber verboten. Daher setzt die Tabaklobby hierzulande vor allem auf sogenannte erhitzte Tabakprodukte. Bei diesen Lifestyle-Zigaretten wird der Tabak nicht mehr verbrannt, sondern in einem elektronischen Halter nur erhitzt.
80 Franken für Verdampfungsgerät
Nach Philip Morris mit der Marke Iqos hat nun auch Hauptkonkurrent British American Tobacco unter dem Namen Glo hierzulande ein entsprechendes Produkt lanciert. Laut Angaben der Hersteller enstehen bei der Verdampfung des Tabaks bis zu 90 Prozent weniger toxische Stoffe als beim Verbrennen einer klassischen Zigarette.
Wie British American Tobacco im Rahmen einer Pressekonferenz zur Lancierung von Glo am Mittwoch in Zürich mitteilte, hat das Unternehmen insgesamt eine Milliarde US-Dollar in die Entwicklung der neuartigen Tabakprodukte gesteckt. Gleich wie bei Iqos von Philip Morris bezahlen die Kunden auch bei Glo 80 Franken für den Verdampfungsapparat, ein Päckchen mit 20 dazu passenden Zigaretten – in der Sprache von British American Tabacco Neostiks genannt – kostet weitere acht Franken.
Geringeres Risiko
Doch sind nur erhitzte statt verbrannte Zigaretten aus gesundheitlicher Sicht wirklich eine Lösung? Christopher Proctor, Chief Scientific Officer bei British American Tobacco, gibt im Gespräch mit 20 Minuten zu (siehe Video), dass es grundsätzlich immer besser ist, das Rauchen ganz aufzugeben. «Die Frage ist aber, ob man Konsumenten Produkte anbieten will, die ein geringeres Gesundheitsrisiko darstellen», so Proctor. So könnten sie sich wenigstens für eine weniger ungesunde Variante des Rauchens entscheiden.
Nicht einverstanden mit dieser Argumentation ist das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Auf Anfrage von 20 Minuten sagt ein Sprecher, dass man Rauchern zwar empfehle, ganz auf E-Zigaretten umzusteigen, wenn sie das Rauchen auf anderem Weg nicht aufgeben könnten oder wollten. Problem: Die Produkte Iqos und Glo enthalten nach wie vor Tabak. Dazu sagt das BAG klar und deutlich: «Wichtig ist, vollständig auf das Rauchen von Tabakzigaretten zu verzichten.»

Herr Gutzwiller*, lohnt es sich für Raucher auf E-Zigaretten oder Produkte wie Glo umzusteigen?
Grundsätzlich geht man heute davon aus, dass solche Zigaretten etwas weniger schädlich sind. Allerdings: Das längerfristige Risikopotenzial ist schlecht untersucht und unklar.
Was bedeutet dies genau?
Schon vor zwei Jahren hatte beispielsweise der Kassensturz nachgewiesen, dass auch krebserregende Substanzen in den E-Zigaretten vorhanden sind. Zudem gibt es neuartige Lungenprobleme aufgrund von Fett-Verdampfung in den Geräten. Auch das Passivrauchen bleibt ein Problem, da die Substanzen aus der E-Zigarette auch in der Umgebungsluft messbar sind.
Was sollen Raucher tun, die ohne Ersatzzigaretten den Ausstieg nicht schaffen?
Schafft man es nicht alleine und braucht Unterstützung, so gibt es gute Angebote von den Lungen-, beziehungsweise den Krebsligen, oder auch Medikamente durch den Hausarzt.
*Felix Gutzwiller ist emeritierter Professor der Universität Zürich und leitete während 25 Jahren das Institut für Sozial- und Präventivmedizin.