So kam der Eistee in die Schweiz

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Jubiläum des Kult-GetränksSo kam der Eistee in die Schweiz

Ihre Chefs lachten Ruedi Bärlocher und Martin Sprenger aus, als sie kalten Tee verkaufen wollten. Doch ihr Produkt entwickelte sich zum inoffiziellen Nationalgetränk der Schweiz.

Laura Frommberg
von
Laura Frommberg

Was sich anhört wie eine Szene aus einem Monty-Python-Film, ist der Anfang des inoffiziellen Schweizer Nationalgetränks. Zwei Mitarbeiter der Thurgauer Nahrungsmittelfirma Bischofszell brauen Anfang der Achtzigerjahre eine Riesentasse Tee. 2000 Liter Wasser enthält sie. Statt einem Teebeutel füllen sie ein grosses Käsetuch mit haufenweise Teeblättern und lassen es an einem Seil in den Behälter hängen. Das ganze reichern Ruedi Bärlocher und Max Sprenger mit Zitronensaft und Zucker an. Dann kühlen sie es ab. Fertig ist der Ice Tea, der dieser Tage in der Schweiz sein 30. Jubiläum feiert. Er ist längst ein Schweizer Kultprodukt.

Erst sei die Idee, de er und der damalige Entwicklungsleiter Sprenger nach einer Reise in die USA entwickelt hatten, in der Führungsetage auf Skepsis gestossen, erinnert sich Eistee-Pionier Bärlocher. «Kalter Tee war hier als Produkt noch nicht bekannt, zu kaufen gab es ihn auch nicht.» Doch man habe letztlich alle wichtigen Hürden genommen und mit der industriellen Produktion begonnen. 1984 stand der Eistee dann erstmals in den Regalen des Detailhändlers Migros. «Das Echo war schnell so gut, dass wir nach kurzer Zeit in einen Kapazitätsausbau investieren mussten.»

Schweizer sind Eistee-Weltmeister

Der damals Mitte 20-jährige Bärlocher und sein Kollege Sprenger hatten offensichtlich den richtigen Riecher. Heute gibt es neben dem Migros-Eistee Dutzende weitere Eisteemarken zu kaufen. Inzwischen gehören die Schweizer zur Weltspitze, was den Eisteekonsum pro Kopf betrifft. Rund 30 Liter trinken sie pro Jahr. Zum Vergleich: Die Belgier sind in Europa auf Platz 2 mit zehn Litern. Der Durchschnittsdeutsche schafft es gerade einmal auf drei Liter. Um den Durst der Schweizerinnen und Schweizer zu löschen, füllt allein die Thurgauer Fabrik Bischofszell Nahrungsmittel jährlich rund 70 Millionen Liter Eistee ab.

«Wenn man dabei ist, wie so etwas entsteht und 30 Jahre später steht das Produkt immer noch im Regal, dann ist das schon unbeschreiblich», so Bärlocher, der immer noch für die Firma Bischofszell arbeitet. Selber trinkt er fast nur noch beruflich Eistee. «Mein privater Konsum ist bescheiden», sagt Bärlocher. Denn bei Degustationen und Qualitätskontrollen bekomme er schon genug zu geniessen. Sein Ex-Kollege Sprenger hat sich inzwischen selbstständig gemacht, mit Eistee hat er nichts mehr zu tun.

Bärlocher ist sichtlich stolz auf das Erreichte. Seither habe es keine vergleichbare Innovation in seinem Unternehmen mehr gegeben, sagt er. «Solche Dinge liegen eben nicht auf der Strasse.» Doch natürlich hoffe man immer auf einen weiteren Coup. «Jeder von uns, der im Ausland unterwegs ist, hat die Augen offen und schaut, was in anderen Märkten Neues zu finden ist», so Bärlocher.

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