Aktie stürzt abSonova drohen weitere Millionenklagen
Der Schweizer Hörgerätehersteller Sonova muss einem US-Patienten über sieben Millionen Dollar Schadensersatz bezahlen. Doch damit nicht genug: dutzende Klagen sind noch hängig.

Ein Hörgeraeteimplantat HiRes 90K der Sonava.
Bittere Kunde für den Stäfener Hörgerätehersteller Sonova: Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Kentucky verknurrt die Sonova zu einer Zahlung von 7,25 Millionen Dollar Schadensersatz. Dies weil 2006 einem Patienten ein Hörgeräteimplantat der Sonvoa-Tochter Advanced Bionics implementiert wurde, in welchem Feuchtigkeit Fehlfunktionen verursachen konnte. Die Geschworenen erachteten dafür einen millionenhohen Schadensersatz für angemessen.
Doch es könnte noch dicker kommen. Zwar wurden nach einer Rückrufaktion alle beschädigten Geräte ausgebaut und ersetzt, dennoch sind laut Sonova-Sprecher Michael Isaac noch dutzende Klagen an US-Gerichten hängig. Dies könnte weitere Schadensersatzforderungen zur Folge haben.
Die Stafe von 7.25 Millionen Dollar fällt laut Analysten hoch aus. Zum Vergelich: Bei der ehemaligen Sulzer Medica (heute Zimmer) wurden damals für die beschädigten Hüftgelenke nur 270'000 Dollar pro Patient bezahlt - 26 Mal weniger als beim Hörgerätimplantat mit dem Feuchtigkeitsschaden.
Damoklesschwert Sammelklagen
«7.25 Millionen Dollar für nur eine Person sind auch für US-Verhältnisse eine stolze Summe», so Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer von der Advokatur Fischer & Partner. Man müsse aber bedenken, dass die Summen in der zweiten Instanz meist deutlich gesenkt würden. Dennoch ist die Sonova nicht aus dem Schneider. «Es droht die Gefahr einer Sammelklage und damit ein vielfaches der jetztigen Summe», so Fischer.
Sonova bereut Kauf nicht
Für die Sonova Holding, die eher unter ihrem alten Namen Phonak bekannt ist, könnte der Zukauf von Advanced Bionics gut drei Jahren aus heutiger Sicht zum Rohrkrepierer werden. Noch 2009 sagte der damalige CEO Valentin Chapero in den Medien, die Übernahme von der US-Firma Advanced Bionics stelle eine Quelle für ein Nachhaltiges Wachstum dar und stärke die Position der Sonova. Für die Übernahme wurde damals eine halbe Milliarde Franken bezahlt. Und jetzt dürften noch Millionen an Altlasten in Form von Prozess- und Schadensersatzkosten hinzukommen.
Trotzdem: «Sonova bereut den Kauf von Advanced Bionics in keinster Weise», so Konzernsprecher Michael Isaac. Finanziell wird die Millionen-Strafe und die mögliche weitere Kosten Konsequenzen haben. Sonova will ihre Rückstellungen für Ansprüche dieser Art überprüfen. Dies könne laut Sonova das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2012/13 beeinträchtigen.
Details werden im Mai bei der Präsentation des Ergebnisses des Geschäftsjahres bekannt gegeben. Möglicherweise auch genauere Zahlen zur Anzahl Geschädigter. Konkretes wollte Sonova am Mittwoch nicht bekannt geben.
Börsenkurs stürzt ab
An der Börse wurde Sonova für das Urteil abgestraft. Die Aktie schloss mit einem Minus von fast sechs Prozent. Gegenüber 20 Minuten sprach eine Analystin von einer gar harten Abstrafung durch die Händler. Ginge man von Schadensersatzzahlungen in der hypotetischen Höhe von 100 Millionen Dollar aus, wären das rund 1,4 Prozent der Bilanzsumme von Sonova. Die Aktie ist aber weit tiefer gestürzt.