Moderne KapitalbeschaffungStart-ups finanzieren sich mit Bitcoin-Millionen
Das Bitcoin-Geschäft boomt. Das ist auch Jungfirmen nicht entgangen: Sie scheffeln Geld mit der Herausgabe eigener Kryptowährungen.
In der Regel beschaffen sich Start-ups ihr Kapital auf traditionelle Weise: Bei Finanzierungsrunden schiessen Investoren Geld ein. Doch bis es so weit ist, müssen die Jungunternehmer Überzeugungsarbeit leisten, von Event zu Event spurten und Klinken putzen. Das ist zeitraubend, wenig effizient und bringt nicht unbedingt die gewünschte Summe ein.
Daher gehen jetzt viele Start-ups den Weg über virtuelle Währungen. Das Konzept ist vergleichbar mit einem normalen Börsengang. Doch statt Aktien geben die Start-ups Einheiten einer selber kreierten Kryptowährung aus. So können die Geldgeber in eine Art digitale Aktie oder Anleihe investieren. Bezahlt wird mit Bitcoins oder Ethers. Das alles geschieht ganz einfach vom Computer aus.
Boomendes Geschäft
«Diese Art der Geldbeschaffung boomt», sagt Daniel Diemers, Experte für Kryptowährungen bei der Beratungsfirma PWC. Kein Wunder: Denn innert weniger Tage lassen sich mit dem sogenannten Initial Coin Offering (ICO) Millionen scheffeln.
Allein in diesem Jahr haben so weltweit Jungfirmen im Blockchain-Umfeld (siehe Box) insgesamt über zwei Milliarden Franken eingesammelt. Das ist mehr als andere Blockchain-Start-ups mit konventionellen Finanzierungsrunden gesammelt haben.
Schweiz spielt wichtige Rolle
Die Schweiz spielt dabei eine wesentliche Rolle. «Einige der weltweit grössten ICO gibt es in der Schweiz», sagt Diemers. Das Land habe sich in diesem Bereich etabliert. Gründe dafür: eine moderne Regulierung bei Bitcoin-Geschäften, das Bankenumfeld und die politische Stabilität.
So fanden 2017 vier der sechs grössten ICO in der Schweiz statt. An erster Stelle stehe das US-Technologie-Start-up Tezos, das innert 14 Tagen Bitcoins oder Ethers im Wert von rund 230 Millionen Franken aufnehmen konnte. Die Fintech-Unternehmen Bancor und The DAO sammelten rund 150 Millionen respektive 140 Millionen Franken ein. Das Technologie-Start-up Status scheffelte rund 90 Millionen Franken. «Auch viele Schweizer Jungfirmen beschaffen sich mit ICO Kapital», sagt Diemers.
Viele Fragen sind noch offen
Der Bitcoin-Experte betrachtet ICO als eine willkommene Alternative zu Crowdfunding oder gängigen Finanzierungsrunden.«Firmen haben mit ICO viel mehr Flexibilität bei der Geldbeschaffung.» So können die Start-ups selber wählen, ob sie mittels virtueller Währung eine Art digitale Aktie oder Anleihe veräussern wollen.
Das Problem: Die Investitionen sind nicht reguliert. So haben die ICO auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) auf den Plan gerufen. Bis jetzt hat sie keine Gesetze erlassen, doch sie beobachtet die Entwicklung genau. «Viele Fragen sind noch unbeantwortet», sagt Diemers. So sei ungeklärt, was mit den virtuellen Währungen und Investitionen passiere, wenn ein Start-up pleite geht.
Hacker als Gefahr
Ebenso sind Hacker eine grosse Gefahr. Immer wieder sind ICO Ziel von Kriminellen. So sind einige Fälle bekannt, bei denen innert Sekunden Millionen verschwunden sind.
Dennoch glaubt Diemers, dass der Trend mit ICO weitergeht. «Immer mehr Firmen werden diese Möglichkeit nutzen, um Kapital zu generieren», so der Experte.
Was ist eine Blockchain?
Vereinfacht gesagt ist eine Blockchain ein virtuelles Register. Auf dieser Basis bieten viele Firmen eine gemeinsame Datenbanktechnologie an, die von Nutzer und Lieferant für Transaktionen gemeinsam genutzt werden. Auch beim Handel von Bitcoins wird jede Überweisung in die Blockchain geschrieben. Das heisst: Jeder kann sehen, wer wie viel Geld wohin überträgt. Dennoch bietet die Blockchain Anonymität: Statt Namen werden nur Prüfsummen und kryptografische Schlüssel registriert. Das soll Transparenz bei gleichzeitiger Anonymität gewährleisten.
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