Stuhl-GangStart-up erfindet Sessel zum Anschnallen
Eine Schweizer Firma hat einen neuartigen Stuhl entwickelt. Das Produkt der Firma Noonee soll man sich anschnallen können wie einen Melchstuhl.
So etwas kannte man bisher nur vom Melchstuhl. Das Schweizer Start-up-Unternehmen «Noonee» hat einen Sessel entwickelt, den man sich anschnallen und über den Hosen tragen kann. Zielgruppe dafür sind Industrie- und Fliessbandarbeiter.
«Einen meiner ersten Jobs hatte ich in einer Verpackungs-Anlage», sagt CEO Keith Gunura. «Damals musste ich täglich bis zu zehn Stunden stehen und hatte jeden Abend erschöpfte Beine. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.» Ein paar Jahre später hat Gunura nun im Robotik-Labor der ETH Zürich gearbeitet und eine Idee entwickelt, wie er seinen ehemaligen Berufskollegen helfen kann.
Das Konzept der stuhllosen Stühle
«An der ETH hatten wir das nötige Equipment zur Verfügung. Damit haben wir ganz einfach versucht, das Bedürftnis abzudecken, das die Industriearbeiter haben», sagt Gunura. Besonders für grosse Betriebe sollen die neu entwickelten Stühle interessant werden. «Einer meiner Mitarbeiter hat extra eine Woche lange in Deutschland in einer Autofabrik gearbeitet, um die wichtigen Abläufe und Bewegungen kennenzulernen.»
Das Konzept der «Chairless Chairs» (Stuhllose Stühle), die Noonee nun vertreibt, ist relativ simpel, aber hoch ausgeklügelt. Eine Art Exo-Skelett aus Aluminium wird an den Beinen und den Schuhen befestigt und ermöglicht so das normale Gehen. Per Knopfdruck lässt sich das Skelett fixieren - damit soll es möglich sein, über längere Zeit zu stehen, ohne viel Energie aufzuwenden.
Auch anderweitige Nutzung möglich?
Eines Tages möchte Keith Gunura seine «Chairless Chairs» am Morgen im Tram als Alltags-Gegenstand sehen. Vorerst sei es aber wichtiger, die Erfindung in den grossen Industriebetrieben einzuführen. «Für den Alltag sind die 'Chairs' noch nicht sexy genug. Wir haben aber schon die Vision von einem Modell, das in die Hosen integriert wird und fast unsichtbar ist.»
Auch andere Anwendungsmöglichkeiten für die Chairs würden in Betracht gezogen. «Wir bekommen gerade Anfragen von verschiedensten Leuten, die die 'Chairs' testen wollen. Beispielsweise Physiotherapeuten oder Leute aus der Film-Industrie.» Im Moment wolle man sich aber auf die Fabriken konzentrieren.
In den Handel kommen sollen die Chairless-Chairs frühestens ab 2015 - zu welchem Preis sei noch unklar. Derzeit würden sie noch in Deutschland und Grossbritanien getestet. Auch in der Schweiz suche man übrigens noch Test-Partner, sagt Gunura. «Interessierte Unternehmen können sich gern bei mir melden.»